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SUI-KEN - Japanese Punk & HC Compilation

12/06/2012 2012-06-12 10:18:00 JaME Autor: Viktor Hemminger

SUI-KEN - Japanese Punk & HC Compilation

Ein bißchen Pop-Punk, ein bißchen Anarcho aus Japan

Künstler: Verschiedene Interpreten
Titel: SUI-KEN - Japanese Punk & HC Compilation
Typ: Album
Veröffentlichung: 2005
Stil: Punk / Hardcore
Bewertung: / 10

Tracks:
01. CRISPY NUTS - smash
02. NO-ALL - dead end cruiser
03. FiFi and the MACH III - treat you
04. THE GIMMIES - sixties
05. BOMB FACTORY - break up
06. LAST TARGET - tokyo memories
07. Sunbeams - break the wall
08. REAL REGGAE - no!
09. super sisters - you and me
10. The EXPROLLERS - here comes the exprollers
11. THE DRIVE BODY - in my car
12. CHERICKS - too fat to play rock'n'roll
13. YOURMINUS - deep side
14. JACKED UP - jackduper
15. TELEPATHYS - nonsense
16. Plastic Nine - motor drive
17. Second Tempo - dyeing gray
18. SLANG BOOGIE - busted
19. THE COKES - I need teens music
20. THE FLY WHEEL - the rod
21. KRUW - hone nashi
22. THE DISCLAPTIES - (we are) fuckin' idiot
23. ONE-YAH-ONE - yokoku
24. INUMAGAI - rinri tensei

Deutsche Kompilationen mit japanischen Bands hatten in meiner Sammlung bislang Hausverbot gehabt, weil aus wirtschaftlichen Gründen stets die Creme de la Creme ausgewählt wurde. Und da kam mein Geschmack ins Spiel, der 90 Prozent des dargebotenen Materials nicht goutierte. Bei einem Punk-Sampler auf dem einem gerade mal BOMB FACTORY bekannt vorkommen, und das auch nur, weil man vor zig Jahren mal geschaut hat was man sich unter dem Namen vorstellen kann. Ergo sofern man es nicht kostet, weiß man nicht was man verpasst, oder auch nicht. Denn Punk und HC sind ein schwieriges Unterfangen, sofern man mehr beabsichtigt als eine Schar völlig knüller Irokesenträger, in zerfetzten Klamotten und dem Mittelfinger in stetiger Alarmbereitschaft zu unterhalten. Schauen wir mal, was da auf den Hörer zukommt.

Der Beginn ist zumindest schon mal vielversprechend: Fun-Punk von einer Sängerin vorgetragen. Und man hat auch das Gefühl, das die klassische Drei-Akkord-Regel eingehalten wird. Nichts weltbewegendes, aber man hat dank CRISPY NUTS gleich bessere Laune. NO-ALL klingen mehr nach Botschaft, für die man des Japanischen mächtig sein sollte. Eine Eigenschaft die sich bei mir degressiv entwickelt. Aber die obligatorischen "Oh-Oohhh" Shouts machen den Song auch so ordentlich. FiFi and the MACH III klingen für Punk viel zu kompliziert. Musikalisch ist das ja zu begrüßen, aber es nimmt ein wenig das Tempo aus dem Sampler. THE GIMMIES holen den Karren wieder raus und hauen mit ihren kraftvollen Riffs ordentlich drauf. Dass die Jungs es schaffen auch noch ein Gitarrensolo einzubauen, zeugt von der Vielseitigkeit die man im ganzen Song hört. Und mit 3:30 Minuten hat man hier einen der längsten Songs auf der Platte.

BOMB FACTORY beginnen überraschend langsam, nur um hinterher das Tempo wieder hochzuschrauben. Was dann kommt ist ein klassischer Singalong Song mit Mitgröhl Refrain, dem man die Erfahrung der Band voll anmerkt. Im letzten Drittel wird es noch mal kurz gemütlicher, bevor die Jungs wieder aufdrehen. LAST TARGET erinnert mit ihrer Sängerin ein wenig an die Songs von Youjeen, was der ruhigen Nummer einen gewissen Reiz verleiht. Und auch hier erfreut ein Gitarrensolo die Seelen der Fans. Der bis dato interessanteste Beitrag auf dem Album. Sunbeams sagen mit ihrem Namen eigentlich schon alles. Ein sonnengetränkter gute Laune California-Punk Song, der auch bei Regenwetter ein Wärmehoch ins Wohnzimmer einlädt. Mit REAL REGGAE hält nun auch endlich der "Auf die Fresse"-Punk Einzug. Wobei der Bandname gerade wegen dem Hardcore-Sound von einem hohen Maß an Ironie zeugt. Ist sicherlich nicht jedermanns Musik, aber für einen Mosh-Pit gibt es sicherlich nichts besseres. Und dann wird die Nummer auch noch so krank, dass die Jungs tatsächlich Reggae-Rhythmen einbauen.

Die super sisters haben wenig überraschend einen Sänger. Der Song selbst klingt selbst mit kurzem Gitarrensolo etwas ideenarm. Sprich, einen solchen Song hat man schon deutlich besser gehört. Auch das Basssolo reißt es leider nicht heraus. THE EXPROLLERS klingen nach klassischstem 80er Jahre Brit-Punk, was den gewissen Charme des Songs ausmacht. Auch, oder vielleicht auch gerade weil der Song nur knapp eine Minute dauert und eher der Bandwerbung denn der Unterhaltung dient. THE DRIVE BODY beginnen mit Renngeräuschen als Hintergrundkulisse. Der Rest ist eine noch gelungenere Hommage an die frühen Jahre des Punk. Vor allem der Gesang lässt Stimmung aufkommen. Dass der Song mit einer Art Verhaftung endet, setzt dem Stück die Krone auf. Die CHERICKS sind zur Abwechslung mal wieder eine Damenband, die nicht nur entfernt an The 5,6,7,8's erinnert. Surf-Punk mit etwas weniger als anderthalb Minuten wird immer einen geneigten Hörer finden. Immer!

YOURMINUS erinnern sehr stark an ANTI FEMINISM, wobei der Vergleich nur für einen Laien des HC-Genres möglich ist. Es hört sich halt wirklich alles gleich an, mit dem Unterschied, dass KENZIs Band verrückte Kaputtniks sind. JACKED UP starten so forsch, als ob sie in spätestens zwei Minuten durch sein wollen. Doch amüsanter Weise ist dies der längste Song des Samplers. Und was ein wenig überrascht ist, dass die Jungs mit immer wieder neuen Ideen den Song über die volle Länge tragen können! Die TELEPATHYS wildern ziemlich offensichtlich bei THE BLUE HEARTS, was dem Hörgenuss aber keinen Abbruch tut, sondern eher positive Erinnerungen hochkommen lässt. Pop-Punk muss gelegentlich auch mal sein. Plastic Nine klingen wieder nach den 80ern. Auf wunderbare Weise dilettantisch, was einem sofort das Gefühl von Authentizität vermittelt.

Second Tempo klingen fast schon zu professionell im Vergleich zum Rest des Albums und erinnern sehr stark an ihre amerikanischen Kollegen und klingen in etwa wie wenn man The Ataris mit Death by Stereo kreuzen würde. Was für Fans dieser Bands natürlich knapp drei Minuten gute Unterhaltung bietet. SLANG BOOGIE heizen dann wieder ordentlich ein. Aber irgendwie spürt man nur geringe Inspiration beim Song. Er macht zwar Spaß, reißt einen aber nicht vom Hocker. Die Tempowechsel tun ihr Übriges. THE COKES haben mit Punk auf den ersten Blick recht wenig zu tun. Würde man bei The Ramones das Tempo rausnehmen würde es sich in etwa wie dieser Song anhören. Es sind zwar drei Akkorde und als Punk-Ballade ist es immer noch zehn mal schneller als alles was Celine Dion jemals gemacht hat, aber irgendwas fehlt. THE FLY WHEEL haben ein irritierendes Intro mit vielen Synthesizern. Das was danach kommt, ist wieder klassischer, an Ami-Kollegen angelehnter moderner Punk, der aber nicht sonderlich lange im Ohr bleibt und mit drei Minuten zu lange erscheint.

KRUW bringen mit ihrem Song endlich wieder eine gewisse Anarchie in den Sampler - wurde ja fast schon zu brav. Für entspanntes Hören ist der Song wirklich nichts, aber auf einem Konzert würde hierzu die Halle brennen. THE DISCLAPTIES machen erfreulicherweise genau da weiter. Musik zu der man die Sau rauslassen kann muss immer wieder mal sein, um nicht einzuschlafen. Einen Echo für klassische Musik wird der Song garantiert nicht gewinnen, aber das macht auch absolut nichts, wenn man seinen Spaß hat. ONE-YAH-ONE starten mit einem der heftigsten Riffs des gesamten Albums und motiviert einen spontan dazu die halbe Wohnung zu Kleinholz zu zerschlagen - zumindest in Gedanken. Den Abschluss bildet dann ein ungezogener Hardcore Reißer der aus einer Minute mehr Rock rausholt als die gesamte Diskographie von Nickelback.

Fazit:
Ein sehr gelungener Mix, mit sehr vielen Perlen und eigentlich keinem einzigen richtigen Aussetzer. Zwischendurch hatte man zwar das Gefühl, dass die Luft raus ist, aber das sich verantwortlich zeichnende deutschte Label NASTY VINYL hat es gescafft zum Ende hin noch mal ein paar Kracher einzubauen. Die Musik bleibt natürlich Geschmackssache, aber da es ein Sampler ist, findet garantiert jeder ein paar neue Bands für sich. Und selbst wenn vielleicht 50 Prozent der Bands nicht mehr existieren - das Album ist immerhin von 2005 - so wird man dennoch sicher die eine oder andere CD der Bands kaufen können. Ergo: Das Album hat sein Ziel erreicht beim geneigten Hörer Interesse zu wecken. Einzig die HC Fraktion kommt etwas zu kurz.
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Zugehörige Künstler

Zugehörige Veröffentlichungen

Album CD 2005-00-00 2005-00-00
BOMB FACTORY
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