D'espairsRay - REDEEMER

review - 30.03.2009 14:00

Endlich. D'espairsRays drittes Album, und gleichzeitig das erste im Major Status, ist da! Ein Versuch die Musikszene zu erlösen, sei es nach eigener Aussage aber nicht, sondern...

Künstler: D'espairsRay
Titel: REDEEMER
Typ: Album
Stil: Metal/ Pop-Rock/ Rock/ Ambient /div. Popelemente
Veröffentlichung: 11.03.2009
Wertung: 10/ 10 (Ltd.)/ 10/ 10 (Reg.)

Tracklist:
01. Lizard
02. BRILLIANT
03. REDEEMER
04. Kouhaku
05. KAMIKAZE
06. Lost in re:birth
07. R.E.M -Fuyu no genchou-
08. HORIZON
09. MASQUERADE
10. Yozora
11. PARADOX 5
12. HEAVEN'S COLOR

Tracklist DVD (nur in der Ltd. Version):
01. REDEEMER PV
02. Making of zu REDEEMER

... vielmehr erlösen sich die vier Musiker D'espairsRays mit diesem Album selbst. Dennoch mussten die Manias (so nennen D'espairsRay ihre Fans) aus aller Welt lange auf ein neues Album warten. Nachdem uns das Quartett in den vergangenen Monaten immer wieder mit Single Veröffentlichungen beglückte, folgte nun nach fast zweijähriger Durststrecke endlich wieder ein Album. "REDEEMER" heißt das gute Stück, dessen limitierte Edition neben einer SHM-CD (Super High Material CD; einer Eigenentwicklung von Universal), auch eine DVD bereithält, sowie die obligatorische, schmucke Sammelkarte (letztere liegt in leicht abgewandelter Form ebenso der regulären Version bei). Die Bookletaufmachung wartet mit vielen Elementen aus dem PV auf, wie zum Beispiel: OP-Klammern, Gedärmen, den schrägen Kreaturen, diversen Anatomietafeln, einem Herz und Gliedmaßen von Marionetten. Da im Booklet selbst anscheinend kein Platz für die Lyrics gewesen ist, findet man diese auf einem gesonderten Faltblatt wieder. Hier gleichen sich beide Fassungen ebenfalls, lediglich das Cover ist ein klein wenig anders und dadurch ebenso die CD-Gestaltung. Delicious Deli Records, ein neu gegründetes Sublabel von UNIVERSAL, brachte das Album auf den japanischen Markt und läutet somit noch etwas ganz anderes ein - D'espairsRays zukünftiges Majordasein. Die Auftritte in Europa und den USA gaben ihnen genügend Selbstvertrauen um diesen Schritt in ihrem 10. Jahr zu beschreiten.

Schon beim energiegeladenen Opener "Lizard" werden sich viele "alte" Fans wieder geborgen und wie zu Hause fühlen, sind hier doch wieder eindeutige Metaltöne zu vernehmen. Zwar geht es nicht ganz ohne Synthesizer - aber den haben sie ja auch schon früher benutzt - welcher zum satten Rhythmus von Bass und Schlagzeug und den heftigen Gitarrenbeats noch einen Tick orientalischen Zauber hinzufügt. In dem Song besingt man munter die Unterwelt in all ihren Facetten: ein mysteriöser und melodiöser Refrain, Gegröle und ein sensationelles verzerrtes Gitarrensolo à la Karyu runden das Stück ab. Interessanterweise ist der Pop-Rock größtenteils wirklich nur in den vorangegangen Singleauskopplungen vertreten, da ich diese allerdings schon in Eigenreviews vorgestellt habe und diese im Hinblick auf das Album keinen Wandel durchgemacht haben, werde ich hier nicht noch einmal so ausführlich auf diese eingehen, sondern lediglich mit einem Link auf die jeweiligen Lieder verweisen. Track Nummer 2 ist die im Mai 2008 erschienene Singleauskopplung "BRILLIANT".

Der nachfolgende Titeltrack "REDEEMER" - das neue Aushängeschild der Band schlechthin -, erinnert mit seinem anfänglichen Rock'n'Roll-Drumbeat ein wenig an the GazettEs "Akai one piece" oder "SWALLOWTAIL ON THE DEATH VALLEY". Diesen Eindruck verliert man aber spätestens nach dem bombastischen Einstieg der restlichen Instrumente und des Synthesizers. Hierdurch zielte die Band deutlich in die Metalsparte, und diese Entwicklung wirkt nach dem vorherigen "BRILLIANT" doch schon sehr heftig. "REDEEMER" wird von einer unglaublich düsteren und gruseligen Atmosphäre vorangetrieben - HIZUMIs Gegröle und die verstörenden Synthesizerklänge im Hintergrund tun da ihr Übriges. D'espairsRays Versuch sich selbst zu erlösen ist ein absolut infektiöses Stück Musik geworden. Um die Sinne etwas zu beruhigen folgt das balladeske "Kouhaku" (zu Deutsch: Bernstein). Glockenhelle Synthesizer, gepaart mit dem heftigen Gitarrensound Karyus und ZEROs Bass, verleihen HIZUMIs gefühlvollem Gesang den perfekten Background. Die Kombination stimmt einen traurig, aber auch hoffnungsvoll. Und auch wenn man die Lyrics nicht versteht so vermag der Song doch einen nachdenklich zu machen. Ein schönes Stück im Stil von "Yami ni furu kiseki" oder "Tsuki no Kioku -fallen-".

Nach wie vor ist "KAMIKAZE" in meinen Augen einer ihren besten Tracks. Umso schöner, dass es ebenfalls seinen Platz auf diesem Album gefunden hat. "Lost in re:birth" setzt das Kontrastprogramm mit mysteriösen Klängen und verstörendem Gebrülle aller fort. Heftige, schwere und schnelle Beats dynamisieren den Metalsong. Ein kritischer und hinterfragender Text und ein wild-romantischer, melodiöser Refrain werten das düstere Stück noch weiter auf. Immer wieder brüllen Karyu und ZERO diverse Schlagwörter, die von HIZUMI mit einer gegrölten Antwort beantwortet werden. Leider ist es mit rund vier Minuten etwas kurz geraten. Dafür dürfte es live ein echtes Highlight werden.

Die erste richtige Ballade, wenn nicht sogar das erste richtige Liebeslied überhaupt, auf diesem Album stellt "R.E.M -Fuyu no genchou-" dar. Größtenteils begleitet die Akustikgitarre diesen gefühlsbetonten, ruhigen Song. ZEROs Bass ist aber ebenso prägnant. Im sehnsüchtigen Refrain gesellt sich kurzzeitig die E-Gitarre hinzu und verwandelt den Song in eine traumhaft berührende Melodie. Später erklingen zudem noch Streicher und ein Klavier im Ensemble - wahrlich ein wunderschönes Stück. Schaut man sich die Lyrics etwas genauer an, wird man bemerken dass D'espairsRay einen im Winter geträumten Traum besingen bzw. musikalisch untermalt haben. Wieder flotter und euphorischer wird es mit dem sich anschließenden "HORIZON". Rockig schließt sich "MASQUERADE" mit seinem Mix aus Melancholie, Sehnsucht und Dynamik an. HIZUMIs Vocals wurden größtenteils elektronisch verfremdet, dennoch zerstört dies den Unheil verkündenden Unterton im Song nicht, sondern fördert ihn. Auch das obligatorische Gebrülle darf da selbstverständlich nicht fehlen.

Flott, dynamisch und fröhlich nimmt einen der Beat in Empfang und trägt einen in eine Nacht mit Sternenübersätem Himmel hinfort, unter dem man sich geschwind im Kreise dreht oder ganz einfach nur ins Gras fallen lässt. "Yozora" (zu Deutsch: Sternenhimmel) wartet mit glockenheller Synthesizerbegleitung auf und TSUKASAs unglaublich schnellen Drums. Etwa im Mittelteil bekommt man ein erstklassiges Basssolo von ZERO zu hören, in welches anschließend Karyus Gitarrensolo einfällt. Aber das wohl mit Abstand ungewöhnlichste Stück folgt mit "PARADOX 5". Was immer man von D'espairsRay gewohnt ist oder erwartet, es wäre garantiert nicht dieser Song, der problemlos mit Enigmas Liedern konkurrieren könnte. Ein urweltlicher Rhythmus, dezente Schlagzeugbegleitung, wundersame Synthesizer, HIZUMIs behutsamer Gesang, Klavierklänge, ein passender weiblicher Chor, ZEROs tief vibrierender Bass und die Bongos haben einem unfassbar traumhaften, beruhigenden und geheimnisumwitterten Stück Musik Leben eingehaucht. Sagenhaft, das ist alles, was man dazu sagen kann!

"HEAVEN'S COLOR" lehnt sich stilistisch sehr an "BRILLIANT" an. Beschwingt und fröhlich dringt es aus den Lautsprechern. Einmal mehr singen ZERO und Karyu im Chorus. Etwas gemächlicher geht es in der Bridge zu. Ferner wartet der Song mit einem kleinen Rappart und Scratching-Elementen auf. Im Lied selbst wird gewissermaßen die Vergangenheit aufgearbeitet und ein Blick in die Zukunft geworfen. So seicht und behutsam als würde man ganz langsam eine Tür schließen, welche in eine andere Welt führte, wird der Song ausgeblendet. Und nach insgesamt 54 Minuten und 12 Tracks kehrt absolute Stille und Wehmut ein. Wehmut weil die musikalische Exkursion auf diesem dritten Album schon vorüber ist.

Wer in die limitierte Version investiert hat, kann sich jetzt allerdings der beiliegenden DVD zuwenden. Nach wie vor ist es für mich etwas befremdlich, wenn ich das UNIVERSAL Logo mit dem weltbekannten Jingle über den Bildschirm flimmern sehe, dem kurz darauf das Delicious Deli Records Maskottchen folgt. Im eigentlichen Menü gelandet, hat man die Qual der Wahl. Denn der Zuschauer wird mit zwei Zielscheiben oder Hypnosespiralen (Auslegung ist etwas schwer) konfrontiert, die nicht näher bezeichnet sind. Die obere Zielscheibe wartet mit dem PV zum Titeltrack "REDEEMER" auf. Zu dem ohnehin sehr atmosphärischen Stück gesellen sich nun visuell noch etliche widernatürliche Kreaturen, allgegenwärtiger Verfall, ein altes Straßeneck (in welchem die vier Musiker mit ihren Instrumenten spielen) und eine verdreckte Toilette. In dieser findet man D'espairsRay aneinandergekettet, in eine Art Ganzkörper-Zwangsjacken gehüllt und mit einer Augenbinde versehen, eingekerkert vor.

Alles in allem eine wirklich abstrakte visuelle Umsetzung in der wirklich alles dem Verfall anheim gefallen zu sein scheint. Jedoch fand auch das gute alte Standmikro aus "BORN"-Zeiten wieder seinen Weg in HIZUMIs Hände. Andererseits wurde hier sehr gekonnt der Weg von der düsteren Verzweiflung in die helle Welt der Erlösung dargestellt. Die gelegentlichen Unschärfen im Video scheinen gewollt zu sein, da sie dafür einfach zu gut zum Rhythmus passen. Nach etwa 4:30 Minuten landet man jedoch wieder im Hauptmenü und kann sich jetzt dem Making of widmen. Beim PV-Shooting und dem zugehörigen Fotoshooting für das Album wurden die Jungs mit einer Kamera gefilmt. Schon sehr zeitig merkt man hierbei, dass sie einen höllischen Spaß an den Dreharbeiten und dem ganzen Drumherum gehabt haben. Albereien und kleine "Zaubertricks" finden sich ebenso im Making of wieder wie kleinere Statements (die allerdings nur schwer zu verstehen sind, da fast die gesamte Zeit über "REDEEMER" im Hintergrund gespielt wird und auch die Betriebsgeräusche der umgebenden Maschinen nicht gerade förderlich für das Hörverstehen sind), die Umgebung und diverse B-Kameraaufnahmen vom direkten Videodreh. Fast 16 Minuten schaut man hier den Musikern über die Schulter.

Bild & Ton:
Hier muss man unterteilen, denn das PV flimmert im 16:9-Format über den Bildschirm und das Making of im 4:3-Format. Zuerst also die Daten zum PV. Das Bild ist sehr scharf (bis auf die oben erwähnten beabsichtigten Unschärfen), sehr kontraststark und auch die Farben leuchten sehr kräftig. Der Stereoton dringt sehr voll und satt aus den Lautsprechern. Deutlich leiser fiel dieser dann leider im Making of aus. Satt dringt dieser nur bei den direkten Aufnahmen vom Dreh aus den Lautsprechern, ansonsten kann er als dumpf beschrieben werden. Das Bild im Making of schwankt zwischen glasklar und einem mittelmäßigen Rauschen (bei schlecht ausgeleuchteten Locations) hin und her, punktet aber ansonsten ebenso mit Farb- und Kontraststärke.

Gesamtfazit: Warum habe ich beiden Versionen die volle Punktzahl gegeben? Ganz einfach, weil ich dieses Album für ihr derzeit bestes, abwechslungsreichstes und atmosphärischstes Werk halte. Und dies ist absolut Versionsunabhängig, obwohl die limitierte Version mit der DVD noch einen zusätzlichen Reiz besitzt. Einen klanglichen Unterschied zwischen der SHM-CD (limitierte CD) und der normalen Audio CD (reguläre Fassung) konnte ich nicht feststellen, so ergibt sich für jeden Geldbeutel etwas. Die ausgewogene Mischung der Tracks und die gelungene Verteilung auf der CD haben mich ebenso begeistert. Die alten wie neuen Sounds von D'espairsRay sind nahtlos miteinander und zu diesen einzigartigen Melodien verschmolzen. Und da das Album eben sehr abwechslungsreich ausgefallen ist, dürfte hier wirklich jeder etwas für sich finden. Leider fällt es mir dadurch wirklich sehr schwer einen klaren Favoriten zu bestimmen, dafür haben mich einfach alle Stücke in ihren Bann ziehen können. Und so kann ich nur noch hoffen, dass ich sie mit diesem außergewöhnlichen Album im Gepäck einmal wieder auf einem Konzert erleben darf. Sofern sie im Sommer auch in Deutschland spielen werden?
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D'espairsRay - PSYCHEDELIC PARADE in EUROPE 2009

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