D'espairsRay - MONSTERS

review - 13.09.2010 15:46

Auf den Spuren des Rattenfängers von Hameln

Künstler: D'espairsRay
Titel: MONSTERS
Typ: Album + DVD
Stil: Digital Metal/ Pop-Rock
Veröffentlichung: 28.07.2010
Wertung: 9/ 10 (Ltd.); 8,5/ 10 (Reg.)

Tracklist:
01. Human-clad monster
02. DEATH POINT
03. 13 -Thirteen-
04. LOVE IS DEAD
05. DEVILS' PARADE
06. dope
07. FALLING
08. PROGRESS
09. FINAL CALL
10. abyss


Mit Spannung wurde das zweite Majoralbum "MONSTERS" von D'espairsRay erwartet, das nach eigenen Aussagen im Zeichen des Digital Metal - einer Verschmelzung von digitalem und dem typisch harten Metalsound - steht. Schlussendlich erschien das Werk in zwei Varianten. Nahezu überall ist das "Rattenfänger von Hameln"-Thema zu sehen, sei es auf dem Coverartwork oder im hübsch aufgemachten Booklet. Statt der Sammelkarte liegt jeder CD-Version, wie schon bei "LOVE IS DEAD", je ein A2-Promoposter bei.

Begrüßt wird der Hörer durch schnelle, technisierte Beats und Karyus hammerharte Gitarrenriffe. "Human-clad monster" besitzt einerseits eine dichte, düstere Atmosphäre, die durch HIZUMIs gelegentliche Brülleinlagen noch weiter gesteigert wird, und andererseits auch etliche melodische Gesangs- und Musikparts. Trotz allem wirkt der Song nie misstönend, sondern lädt eher zum mehrmaligen Hören ein. Dem Track folgt das komplett Englisch gehaltene neue Aushängeschild "DEATH POINT". Musikalisch wirkt es sehr aggressiv, auch durch die vielen Growls. Aber der Text ist sehr eindringlich und Mut machend und wie schon zuvor, so gibt es auch hier einige melodische Strecken auf die Ohren.

"13 -Thirteen-" versucht gleich im Anschluss einen mit dem getrommelten Marschtakt gefangen zu nehmen. Es ist düster und hypnotisch zugleich. Schuld daran sind HIZUMIs verfremdete Stimme und die Chöre. Danach gibt es die poppige, helle und tanzbare Singleauskopplung "LOVE IS DEAD" zu hören, die ältere Hörer schnell an Dead or Alives Klassiker "You Spin Me Round" erinnern wird. Dem folgt das psychedelische, verwirrende und verstörende "DEVILS' PARADE". Hier gibt es Growls und dynamische Raps zu hellen Xylophonklängen. Dem gesamten Lied haftet etwas Unterschwelliges an.

Auch "dope" bringt nur wenig Auflockerung, denn hier hat man es mit einem weiteren dichten, geheimnisvollen und hypnotischen Midtempotrack aus Karyus Feder zu tun - dieses Mal hat er Lyrics und Musik geschrieben. Im Song werden die Wochentage thematisiert. Ferner trumpft er mit indischen Elementen auf. Leider stört der abrupte Schluss das Gleichgewicht. "FALLING" kann trotz der schnellen harten Gitarrenriffe, den gelegentlichen Growls und dem starken Gitarrensolo als hoffnungsvolle Ballade beschrieben werden, was größtenteils an den traditionellen japanischen Elementen, seiner Grundmelodie und den feinfühligen Lyrics liegt.

Ähnlich gelagert ist auch "PROGRESS": Die Geheimnisumwobene mittelschnelle Synthesizermelodie wird hier mit dem tiefen, satten Sound der Gitarre, dem Bass und dem Schlagzeug gepaart. Da stört auch das Brüllen kurz vor der faszinierenden Bridge nicht weiter. Die Singleauskopplung "FINAL CALL" reißt einen durch den hellen, schnellen Mix aus Rock und Pop aus der Trance heraus. Und recht schnell wird dem letzten balladesken Song des Albums Platz gemacht. Eröffnet wird dieses feinfühlige, langsame Stück mit TSUKASAs Drums und einer melodischen Akustikgitarrenmelodie. Das Lied besitzt sowohl einen nachdenklichen und traurigen Akzent, als auch eine verträumte und hoffnungsvolle Note.

Leider ist die CD mit einer Gesamtlaufzeit von 40 Minuten viel zu schnell zu Ende. Doch hier schafft die limitierte Fassung mit der Bonus-DVD Abhilfe. Darauf vereint finden sich der Clip zu "DEATH POINT" und das zugehörige Making-of. Das Video wurde in einer Halle gedreht und kommt weniger wie ein PV, sondern viel eher wie eine Probe herüber. Schnelle Schnitte, verschiedene Einstellungen und kleinere Randale erzeugen diesen Eindruck. Im Clip wurde auf Alterungs-, Schwarz-Weiß- und Rauscheffekte gesetzt. Das Making-of lässt einen beim Aufbau, beim Make-up und bei den Drehprozessen zuschauen - hier und da sind auch ein paar lustige Szenen zu sehen. Beide Filme zusammen laufen rund 14 Minuten.

Bild & Ton:
Die beiden Filme wurden im 16:9 bzw. Letterboxformat festgehalten. Durch die beabsichtigten Retroeffekte im Video wirkt das Bild dort eher blass, aber dennoch scharf. Im Making-of wechselt die Bildqualität je nach Ort. Am eigentlichen Drehort ist ein leichter Rauschfilm zu sehen, im Backstagebereich dafür satte Kontraste und scharfe Bilder. Der Ton bei beiden ist überwiegend satt und voll, nur dass dieser im Making-of, konkreter gesagt in der Halle, gelegentlich auch dumpf und etwas leiser aus den Lautsprecherboxen dringt.


Gesamtfazit: Das Warten auf das vierte volle Album hat sich durchaus gelohnt. Zwar stört die geringe Laufzeit der CD ein wenig, aber die Lieder sind abwechslungsreich und hörenswert. Stammhörern wird der Wechsel sicherlich schon nach kurzer Zeit auffallen. Nach wie vor haben D'espairsRay ihre Energiegeladenen, düsteren Songs im Repertoire, allerdings wurden alle mit einer gewissen Melodik gewürzt und einen reinen Headbanger gibt es auf dem Album eigentlich gar nicht. Mit "MONSTERS" kann nun jeder einen Einblick in den Digital Metal von D'espairsRay, sowie den neuen Weg der Musiker gewinnen und sich davon gefangen nehmen lassen.
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