Künstler: CROSSFAITH
Titel: The Artificial Theory For The Dramatic Beauty
Typ: Album
Release: August 2010
Stil: Metal (verschiedener Stilrichtungen)
Bewertung: 8.0 / 10
Trackliste:
01. IF YOU WANT TO WAKE UP
02. MIRROR
03. BLUE
04. FICTION IN HOPE
05. INTERLUDE
06. VOICES
07. K
08. CHEMICARIUM
09. BLUE (Videoclip)
10. FICTION IN HOPE (Videoclip)
GAN-SHIN erfreute früher immer wieder Metalfans. Meist aber nur beiläufig, da die Alben der populären Künstler oft dem Geschmack der hiesigen Szene zusagte. Nun aber ging man den Schritt und bediente ausschließlich die Metaller-Gemeinde. Die Texte sind im Booklet auf Englisch. Und es ist anzunehmen, dass auch die Lieder in Englisch sein werden. Von der Gesamtlaufzeit ist das Album freilich eher ein Mini-Album. 25 Minuten ohne Videos sind fast schon einer Punkband würdig. Bleibt zu hoffen, dass das der einzige negative Aspekt der CD ist.
Der Opener ist zwangsläufig textlos. Ein Keyboard ist zu Beginn die einzige Klangquelle, bevor im Verlauf ein etwas an Trance erinnerndes Sample eingestreut wird. Um auf die Bühne zu laufen, ist das Stück grad passend. Dass es irgendwann fast purer Disko Techno wird, könnte manchem Metaller vielleicht missfallen. Da aber kein Gesang darin vorkommt, kann man es noch problemlos unter der Kategorie „ausgefallene Intro-Idee“ verkaufen. Zwei Minuten - dann ist das eigentlich gar nicht schlechte Stück vorbei. “MIRROR“ hat auch hier und da paar Techno-Samples eingebaut. Aber schon nach kurzer Zeit hört man eh nur noch Gitarrenriffe und Doublebass. Besagte Samples hört man zwar immer wieder durch, aber man interpretiert sie nun eher als Keyboarduntermalung. Nicht jedermanns Geschmack, aber immerhin gut umgesetzt. Hinzu kommen vorzüglicher Gesang und paar nette Death-Metal Growls. Nach etwa dreiviertel Laufzeit hat der Song seinen stärksten Abschnitt: dann, wenn die Samples fast vollständig ausgeblendet sind. Der Rest des Liedes ist dann ordentliches Geschreddere.
“BLUE“ beginnt eher als klassischer Metal, mit leichten Anleihen beim Power-Metal. Danach wird man aber schnell wieder Metalcore. Der Sample-Meister greift relativ zügig wieder ein und verwirrt ungemein, da kurz darauf wieder Metal für Puristen kommt. Und so geht es immer wieder hin und her mit den dominierenden Stilen. Gegen Ende wird es dann sogar noch mal ziemlich schwer, bevor der Song wieder Tempo aufnimmt. Musikalisch sicherlich etwas interessanter als “MIRROR“ - gerade weil die Samples nicht so präsent sind - aber insgesamt immer noch zu verwirrend. “FICTION IN HOPE“ wandert irgendwo zwischen Punk (eingängiger Riff), New-Metal (Rapparts) und Metal mit Death-Metal anleihen. Erinnert stellenweise etwas an Bullets for my Valentine, ist aber bei weitem nicht so sprunghaft wie deren erstes Album. Hier ist alles aus einem Guss. Die Growls geben dem Song dann wieder eine gute Ausgangsbasis und der Sampler klingt erstmals als Ergänzung statt als Konterpart. Vor allem die letzte Hälfte überzeugt auf voller Linie.
“INTERLUDE“ sagt es schon selbst: Der fünfte Track ist ein kurzes Zwischending zur mentalen Entspannung, oder aber dafür da, um dem Hörer endgültig zu verwirren. Fast schon fröhlich wirkt das knapp eine Minute lange Stück. Oder aber wie ein schlichter Weckton eines Handys. “VOICES“ braucht eine halbe Minute, um in Fahrt zu kommen. Nach dem Geklimpere kommt wieder der brachialere Teil der Band zum Zug und der Schlagzeuger bereitet besondere Freude mit seinem abwechslungsreichen Spiel. Wobei man sich wohl kaum über ein minutenlanges Dauergeschranze der Doublebass beschwert hätte. Die Mitmusiker liefern passende Backvocals und machen damit das Lied nicht nur abwechslungsreich, sondern sorgen auch noch für den Feinschliff.
Wofür “K“ wohl steht? Sicherlich nicht für den Frühstückscerealienhersteller und diese würden sich den Song auch kaum für einen Werbespot leihen. Auch hier ist eine Mischung aus Hardcore und New Metal am Start. Wobei abermals ein Vergleich zu Bullets for my Valentine nicht von der Hand zu weisen ist. Irgendwann wird der Song fast still, bevor er wieder mehr Fahrt aufnimmt. Eine interessante Idee, in guter Umsetzung. Der Rest ist dann wieder eine Mischung aus Growls und schnelleren Riffs. Und dann ist auch schon wieder Feierabend angesagt. Der Abspann “CHEMICARIUM“ klingt seltsamerweise eher nach Intro - zunächst länger still und sich dann langsam aufbauend. Definitiv der beste rein instrumentale Beitrag vom Album. Sorgt für passende Atmosphäre und ist damit wie erwähnt eher deplaziert am Ende der Platte.
Kommen wir dann abschließend noch zu den Videos. Bei “BLUE“ handelt es sich um eine Liveaufnahme aus einem sehr kleinen Klub. Der Gitarrist vollführt paar Kunststücke mit seinem Instrument und der Sample-Meister ist von sich selbst dermaßen begeistert, dass man ihn einfach nur toll finden muss. Und vor allem erfüllt er live tatsächlich mehr Aufgaben, weil er derjenige ist, der die zusätzlichen Vocals liefert und sich auch irgendwann in das Publikum wirft. Also Stimmung machen können die Jungs definitiv. “ FICTION IN HOPE” ist dann ein offizielles Musikvideo, dass im Stile eines Privatgigs gehalten ist. Das Verhalten des Publikums erinnert dabei eher an den Tanzstil von Hardcore - Windmill und ähnliche Bewegungen - ansonsten ist ein guter Moshpit zu betrachten. Und gerade das Publikum bietet den sehenswertesten Teil. Der Rest ist ein teilweise mit zu schnellen Schnitten bearbeiteter Videoclip. Aber man merkt: die Band hat Spaß.
Fazit:
Die Videos haben es noch einmal herausgerissen. Der musikalische Teil ist wegen der Omnipräsenz der Samples manchmal arg gewöhnungsbedürftig. Live dürfte es aber weniger auffallend sein. Auch die Ähnlichkeiten zu bestimmten westlichen Bands dürften nicht abträglich sein, wenn man hierzulande Fuß fassen will. Sicherlich werden nicht alle Metaller auf den Zug aufspringen, aber ein gewisser Teil dürfte daran seinen Spaß haben. Endlich mal eine Metalscheibe aus Japan, deren Vertrieb nicht auf drei Konzerte und einen Onlineshop - der dazu schlecht zu finden ist - begrenzt ist. Ein mutiger und vor allem lobenswerter Schritt von GAN-SHIN. Mehr davon, vor allem Live!
Trotz genannter Einschränkungen für gewisse Geschmacksrichtungen, definitiv eine Kaufempfehlung. Alleine schon wegen den Videos.
Und das “allsehende Auge“ ist das zentrale wiederkehrende Thema der CD-Aufmachung. Zwei mal im Booklet, einmal auf der CD selbst. Bezieht sich wohl auf den Titel des Intros. Aber das nur nebenbei bemerkt.
CROSSFAITH - The Artificial Theory For The Dramatic Beauty
review - 29.08.2010 20:36
Das allsehende Auge macht Musik










