Interview mit MIYAVI

interview - 26.07.2010 12:55

MIYAVI sprach mit uns über seine Rückkehr nach Nordamerika und die neuen Veröffentlichungen.

Am Tag zwischen den Konzerten in San Diego und Los Angeles hatten wir die Chance, ein wenig mit MIYAVI zu plaudern. In unserem Interview spricht er über das vergangene Jahr, über seine neue Musik und erklärt uns außerdem das Konzept der Konzerte und der Tour.


Du hast schon mal einige Zeit in Los Angeles verbracht und nun bist du wieder hier. Gibt es etwas, das du besonders vermisst hast?

MIYAVI: Hamburger! Wann war das letzte Mal? Ich glaube, das war im vorletzten Jahr. Weil ich letztes Jahr nicht zurückkommen konnte, habe ich versucht, mich mit Leuten zu treffen, die auf mich gewartet haben.

Also war es das, worauf du dich bei dieser Tour gefreut hast?

MIYAVI: Ja, definitiv. Weil es letztes Mal gecancelt wurde, dachte ich, ich würde ihnen gerne mein neues, reiferes Ich zeigen, um es wieder gut zu machen. Damit sie dieses Mal den besseren MIYAVI sehen können. Den Samurai, den neuen Stil.

Also ist das das neue Konzept für die Tour?

MIYAVI: Ja! Obwohl die Tour unter dem selben Namen ist, Neo Tokyo Samurai Black World Tour.
Das ist die zweite Hälfte der Tour, aber dieses Mal habe ich nur den Drummer und den Keyboarder mitgenommen. Das war's. Keinen Bassisten. Nur die Gitarre, der Beat und ich. Es ist sehr vereinfacht und total neu.

In unserer jährlichen Umfrage hast du in ein paar Kategorien gewonnen wie „Künstler des Jahres“ oder „Überraschung des Jahres“. Wusstest du von diesen Ergebnissen?

MIYAVI: „Beste Überraschung“ - etwa weil ich geheiratet habe? (lacht)

Ja, das hat einen Teil davon ausgemacht.

MIYAVI: Ehrlich gesagt, hatte ich keine leichte Zeit, als ich versucht hatte, meine Firma aufzuziehen und alles als Präsident zu richten. Und das Kind hat alles in meinem Leben komplett verändert. Ich habe sehr viel aus dieser Erfahrung gelernt.

Wie ist das Vater-Dasein?

MIYAVI: Es läuft gut soweit. Hoffe ich. (lacht) Es ist schon ein wenig hart. Es ist schwer, sich auf die Musik zu konzentrieren. Aber ein Kind zu haben, gab mir die Gelegenheit, über das Leben und den Tod nachzudenken. Jemand wird geboren und zur gleichen Zeit stirbt jemand anderes.

Wie bringst du Familie, Business und Musik unter einen Hut?

MIYAVI: Am Anfang war es hart. Aber mittlerweile läuft es ganz gut. Ich komm nicht umhin, an Musik oder Business zu denken, sogar während ich mit meiner Tochter spiele (lacht). Aber daran gibt es nichts Negatives. Ich denke immer über etwas nach, egal was – im meinem Kopf geht immer etwas vor.

J-Glam gibt es bereits seit einem Jahr. Hast du bereits neue Ideen oder Pläne für die Firma?

MIYAVI: Ja, ich habe eine ganze Menge Ideen! Aber sie sind für die Zukuft. Erst, nachdem ich etwas als MIYAVI erreicht habe. Vielleicht werde ich etwas für die Welt produzieren. Deswegen hab ich es „J-GLAM“ genannt – es steht für den japanischen Glamour.

Viele Bands haben neuerdings ihre eigenen Labels eröffenet, T.M. Revolution und GLAY zum Beispiel. Ist das ein neuer Trend?

MIYAVI: Ich denke nicht, dass es ein neuer Trand ist. Aber auf alle Fälle sollten wir als Künstler mehr Verantwortung tragen. Viele japanische Künstler sind nur Angestellte, so können sie leichter kontrolliert werden. Als Künstler habe ich begriffen, dass wir stärker sein müssen. Mehr Lernen und Studieren. Nicht unter jemandes Fuchtel stehen. Ich will nur das tun, was ich tun will. Das ist alles. Ich will nicht etwas tun, was schon gemacht wurde, ich will einfach nur ein Original bleiben.

Als Präsident deiner eigenen Firma hast du jetzt andere Erwartungen an dich als Künstler?

MIYAVI: Ich habe viel mehr Erwartungen. Jetzt mehr denn je bin ich verantwortlich dafür, was ich mache. Ich wollte einfach auch in dieser Hinsicht frei sein.

Du wirst bald nach einer längeren Pause ohne Veröffentlichungen eine neue Single und ein neues Album herausbringen. Werden die Releases uns genauso überraschen wie deine letzten Alben?

MIYAVI: Sie sind vollkommen anders, aber sie ergänzen die Alben, die ich bereits herausgebracht habe. Sie werden simpler, wilder, mehr das, was MIYAVI ist. Ich bin ein Gitarrist aus Tokyo, das ist, was MIYAVI ist. Ich möchte mich auf die Gitarre konzentrieren, das ist das neue Konzept.

Ein paar der neuen Songs heißen "SURVIVE", "REVENGE" und "UNBREAKABLE" und deuten auf ein besonderes Thema hin. Welche Bedeutungen verstecken sich hinter diesen Namen?

MIYAVI: Da versteckt sich nichts. Ich habe diese Lieder geschrieben, als ich letztes Jahr auf Tour war. Ich hab mich wirklich krank und tot gefühlt. Ich habe gemerkt, dass ich stärker werden muss. Ich wollte unbesiegbar sein. Ich habe den Song "REVENGE" letztes Jahr, gleich nach den verschobenen Gigs in Amerika geschrieben. REVENGE (Anm. d. Ü.: Rache, bzw. Revanche) hört sich negativ an, stimmt's? Aber in Japan benutzen wir das in einer positiven Richtung. Es hört sich an wie „ein neuer Versuch“.

Wie „besser werden“?

MIYAVI: Genau! Wie „noch mal und noch mal und noch mal“! Niemals aufgeben!

Was soll der Hörer bei diesen Songs empfinden?

MIYAVI: Ich will meinen Fans ein positives Gefühl vermitteln, egal ob durch Hard, Electric oder akustische Musik. Egal wie, nur sei optimistisch, weil wir leben. Wir werden nicht von alleine sterben, richtig? Musik soll dieses Gefühl unterstützen, sonst ist sie sinnlos. Wir brauchen Musik nicht zum Leben. Wir brauchen nur Essen und Schlaf und Sex, um Kinder zu haben und die DNA für die Zukunft zu hinterlassen. Richtig? Genau so ist es. Wir können ohne Musik leben. ABER. Wir brauchen Musik. Denn sie macht das Leben lebenswert.

Wie lief der Aufnahmeprozess für deine neuen Stücke?

MIYAVI: Er verlief sehr einfach! Wir haben einfach nur ohne Klick (Metronom) gespielt. Das ist alles. Es hängt alles von der Atmosphäre ab.

Sind die neuen Tracks schwer zu spielen?

MIYAVI: Sie sind schon ziemlich schwer. Aber es macht auch Spaß, denn es liegt ganz an mir. Wenn ich Fehler mache, dann heißt es, dass ich mich verbessern muss. Ich habe gelernt, dass ich nicht perfekt sein muss. Ich habe viele Macken, aber das bin halt ich.

War der Aufnahmeprozess ähnlich dem, wie du auf der Bühne spielen wirst?

MIYAVI: Ja, genau so. Genau das kann man auch von der Show erwarten. Wir werden auf der Bühne auch die neuen Songs spielen.

Du hast in diesem Herbst auch eine neue Tour, bei der du in kleineren Hallen in Tokyo spielst. Sind die kleinen Bühnen und die intime Atmosphäre das, was besser zur neuen Musik passt?

MIYAVI: Ja, ich werde dort auch mehr neue Songs spielen. Der Name der Tour ist Screaming out from Tokyo. Ich habe nie eine Tour in Tokyo gemacht – normalerweise macht man eine nationale Tour, eine Asia-Tour oder eine Welttournee, aber keine in der eigenen Heimatstadt. (lacht) Ich lebe in Tokyo, also kann ich dann jede Nacht einfach nach Hause gehen. Das ist faszinierend.

Du hast ein Konzert gespielt, das direkt über ustream übertragen wurde, was deinen Fans aus der ganzen Welt die Gelegenheit gab, dich live zu sehen und während des Konzerts Nachrichten auszutauschen. Wie denkst du über diese neue Art, Konzerte zu spielen? Ist das eine gute Möglichkeit für die Musiker, sich der Welt zu zeigen?

MIYAVI: Ja, das ist wirklich eine gute Möglichkeit. Die Leute können so einen Einblick in meine Shows bekommen. Aber es ist kein richtiges Konzert, es ist komplett anders. Es ist nur ein winziger Teil. Es ist trotzdem eine gute Idee. Mit dieser neuen Technologie kann ich meine Musik in der ganzen Welt verbreiten, aber wir könnten dennoch nie ein richtiges Konzert damit ersetzen.

Wirst du diese Möglichkeit jetzt öfter nutzen?

MIYAVI: Ja! Ich denke schon.

Du hast viele verschiedene Lives gespielt – online, in kleinen Clubs, und so weiter. Welche Art Konzerte magst du am meisten?

MIYAVI: Die an kleinen Orten. Es ist so nah, ich kann direkt spüren, was die Fans fühlen. Es ist fast so wie ein Gespräch miteinander zu führen. In großen Hallen kann man nicht einmal die Gesichter richtig erkennen.

Als Künstler nutzt du das Internet, um mit deinen Fans direkt zu kommunizieren, während andere lieber unerreichbar bleiben. Hast du das Gefühl, dass das Kommunizieren mit den Fans einen Einfluß auf deine Musik hat?

MIYAVI: Ja, ich denke schon. Wir können uns jederzeit, überall in Verbindung setzen. Es kann auch eine gute Motivation für mich sein.

Welche Musikgenres hörst du in letzter Zeit gern?

MIYAVI: Eigentlich hab ich gar keine Zeit, um mir irgendwelche neue Musik anzuhören. Ich mach nur meinen iPod immer auf Shuffle und höre meine Lieblingstracks. Ich mag Dance Music wie Basement Jaxx, und einige Rockkünstler wie Robert Randolph, Teddy bears etc.

Dein jetziges Image unterscheidet sich sehr von dem am Anfang deiner Karierre als Solomusiker. Welche Ereignisse haben dich zu dem gemacht, was du heute bist?

MIYAVI: Die Gespräche mit Musikern außerhalb meines Genres. In der Zukunft kann das noch mal passieren. Da ist dann einfach ein Zeichen, ein Hinweis in dem, was sie tun, was die eigenen Fähigkeiten reifen lässt.

Sind dir diese Veränderungen sofort aufgefallen oder musstest du erst zurückblicken, um sie zu bemerken?

MIYAVI: Beides, manchmal wirkt es sofort und ich merke „Oh! Es hat mich inspiriert“. Oder es braucht seine Zeit und ich verstehe erst später, wie wichtig es für mich war – nachdem ich reifer geworden bin.

Wenn du deinem Ich vor zehn Jahren etwas sagen könntest, was wäre das?

MIYAVI: Mach weiter. Glaub an dich. Tu, was du gerne tun würdest.

Und jetzt eine Nachricht an dein zukünftiges Ich?

MIYAVI: Ich gebe gerade mein Bestes, also hoffentlich kannst du etwas erreichen. Mach einfach weiter.


JaME würde gerne MIYAVI, J-GLAM und Kaori Hayashi für dieses Interview danken.
künstler
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