D'espairsRay in Moskau

interview - 08.09.2009 17:31

D'espairsRay besuchten zum ersten Mal Russland und beantworteten uns nach ihrem großartigen Konzert einige Fragen.

Nach zwei Jahren kehrten D'espairsRay endlich wieder nach Europa zurück. Dieses Ereignis erfreute Fans und Band gleichermaßen, was die Jungs uns bei einem Treffen in Moskau versicherten.

Wie fühlt es sich für euch an, wenn ihr im Ausland spielt?

Karyu: Es ist sehr interessant, mit all diesen Menschen aus aller Herrenländer vertraut zu werden, sie kennenzulernen.
HIZUMI: Die Vorbereitung auf einen neuen Gig ist immer etwas ganz Besonderes. Darum mag ich auch den Ablauf an neuen Orten so sehr.

ZERO, du hast bald Geburtstag. Wie wirst du diesen feiern?

ZERO: Den Tag zuvor werden wir nach Japan zurückkehren, also werde ich mich höchstwahrscheinlich etwas ausruhen. Ich denke nicht, dass ich eine Party aufziehen kann. Aber die Hauptsache ist ja, dass wir diese Europatournee haben und dass unsere Fans kommen und unsere Konzerte sehen können. Das macht mir mehr Spaß als irgendeine Party.

Ihr habt einmal gesagt, dass euer aktuelles Album "REDEEMER" der echte Sound D'espairsRays ist und viele eurer Fans sehen diesen als musikalischen Wandel an. Denkt ihr ebenso? Wer oder vielmehr was ist "Redeemer" für euch?

Karyu: Wir schreiben jeden einzelnen Song voneinander getrennt. HIZUMI schreibt dann die Texte und er steckt in jeden Song all die Sachen, die für uns am wichtigsten sind. "Redeemer" - es handelt sich dabei nicht einfach nur um eine Person, sondern es geht auch um Dinge, die uns besonders wichtig und teuer sind.
HIZUMI: Es ist unsere Erwachsenen-Arbeit, unsere Leistung in der Musik.
ZERO: Im September werden wir eine neue Single rausbringen. Diese wird wieder einen vollkommen anderen Sound haben - eine neue Kreation. Das Album "REDEEMER" hat uns dazu inspiriert.

Karyu, du hast in einem Interview mal gesagt, dass die Gruppe vor dem Release von "MaVERiCK" kurz vor der Auflösung stand.

Karyu: Wir waren eine Visual Kei-Band und es war wirklich hart. Zu dieser Zeit hatten wir einige Probleme und entschieden uns dazu, eine CD herauszubringen, die man nur auf Konzerten kaufen konnte. Wir fragten uns, ob die Leute unseren neuen Sound mögen würden oder nicht.

ZERO, du hast dich dazu entschieden, den Blog bei Ameblo nur für eine gewisse Zeit zu eröffnen - die Schließung soll am 9. September sein. Warum? Wusstest du, dass es viele ausländische Fans gibt, die deinen Blog täglich lesen?

ZERO: Ich dachte mir, dass es sicher Spaß macht, in einen Blog zu schreiben, darum habe ich einen aufgemacht. Nun gibt es aber viele Fans, die diesen auch lesen, ich weiß also noch nicht wirklich, was ich machen soll - ob ich ihn schließen soll oder besser doch nicht.

Wann und wo fand euer erster Gig statt und was habt ihr empfunden, als ihr zum ersten Mal vor Publikum gespielt habt?

HIZUMI: Unser erstes Konzert fand in der Takadanobaba AREA statt. Es war unser allererster Auftritt, und darum, wenn ich mich recht entsinne, kam auch keiner.
TSUKASA: Nein, ich schätze, dass etwa zehn Menschen da waren (lacht).
Karyu: Wir waren nicht wirklich nervös. Normalerweise läuft es so ab: Du gehst auf die Bühne, fängst an zu spielen und vergisst dann alles.

Was denkt ihr über die Entwicklung der Rockmusik in Japan?

TSUKASA: Also, worum geht es?
Karyu: Wir verstehen es ja selbst nicht. (lacht)
HIZUMI: Hm... Ich weiß nicht.
(alle lachen)
Karyu: Das ist wirklich schwer zu sagen. Wir spielen nur die Musik, die wir mögen. Und ich weiß noch nicht einmal, was gerade in Japan angesagt ist.

Wo seht ihr euch selbst in zehn oder zwanzig Jahren?
Karyu: In zehn oder zwanzig Jahren... werden wir auch weiterhin spielen.



Die Türen des Ikra Clubs öffneten sich erst um 19:00 Uhr, aber bereits am frühen Morgen waren Leute zu dem Konzert D'espairsRays nach Moskau gekommen. Am Abend erstreckte sich die Schlange dann die gesamte Straße entlang und die Aufregung stieg.

Nachdem der Tourmanager seine kleine Ansprache beendet und die Bühne verlassen hatte, wurde diese in Nebel gehüllt. Die Lichter gingen aus und flackernde Laser schufen einen ersten Eindruck von dem nahenden fantastischen Event. Ein D'espairsRay-Mitglied nach dem anderen betrat die Bühne, was die Stimmung in dem Club erheblich steigen ließ, nicht zuletzt, weil der Abend mit "Lizard" eingeleitet wurde. Als sich die Luft durch den energetischen Sound von Karyus Gitarre spaltete, rastete das Publikum total aus. TSUKASA konzentrierte sich vollkommen auf sein Schlagzeugspiel, während ZERO sich wie üblich Zeit nahm, um seinen Fans näher zu kommen. Die Teilstücke von TSUKASA und Karyu erschufen einen sehr kraftvollen und dynamischen Sound, neben dem HIZUMIs Stimme bisweilen unterging. Wer den Sänger des Quartetts jedoch hörte, der bekam eindrucksvoll mit, wie viel Gefühl er in seinen Gesang legte.

Das Problem gab es bei "REDEEMER" nicht - hier übernahm das textsichere Publikum, angestachelt von HIZUMI selbst, den Refrain. Nachdem das Lied endete, folgte ein kurzes MC, in welchem HIZUMI das Publikum grüßte. ZERO half ihm aus - nicht mit Worten, sondern mit Gesten und einem Lächeln für die Menge. "TRICKSTeR" zeigte dann endgültig, wie warm Menge und Band längst miteinander geworden waren, die Chemie stimmte, von Berührungsängsten keine Spur. So war es schließlich auch Karyu, der niederkniete und nur eine Handbreit von den vorderen Reihen entfernt spielte.

Die gut durchdachte Setlist bot nach viel Action immer wieder kurze Verschnaufpausen für die Anwesenden - so war auch das nächste Lied langsam: Die Band stand still auf der Bühne und HIZUMIs Silhouette wurde in dem grün-blauen, lumineszierenden Laserlicht schwächer. Seine Stimme erfüllte den Saal und saugte ebenso unerwartet alle anderen Klänge auf. Nachdem "Kouhaku" mit so einem aufregenden Gesangsteil eingeläutet wurde, fuhr es mit einem donnernden Drumbeat, vermengt mit Karyus kraftvollen Gitarrenriffen, fort. Die Bewegung in der Menge hatte aufgehört und die Fans waren stumm, erstaunt von dem Schauspiel auf der Bühne. Das Lied schien beinah unendlich - HIZUMI knurrte und traf unerwartet hohe Noten, kam dann wieder zur Ruhe und brach erneut aus.

Nachdem der Sänger sich mit einer kurzen Verbeugung für den anhaltenden Applaus bedankt hatte, begab sich Karyu für ein Gitarrensolo vollkommen unerwartet in die Mitte der Bühne. Während seines Solos legte er eine unglaubliche Schnelligkeit und Professionalität an den Tag, sehr zur Freude der Zuschauer. ZERO hinkte dem Ganzen natürlich nicht hinterher und schloss sich Karyus Teil an. Es schien so, als würden die Soli der beiden Musiker ein Ganzes formen. Zum zweiten Mal spielte Karyu die Melodie auf den oberen Bünden, ließ seine Gitarre so hoch wie möglich erklingen. Das Schauspiel auf der Bühne faszinierte die Zuschauer so sehr, dass in der Halle für einen kurzen Moment völlige Ruhe eingekehrt war.

In nur wenigen Minuten wurden der Klang der Gitarren von TSUKASAs treibendem Schlagzeugbeat und HIZUMIs kraftvollem Gegröle unterbrochen. Die Bühne wurde in grünlichen Rauch gehüllt, der den Beginn von "SIXty∞NINe" ankündigte. ZERO begann zum Rhythmus zu tanzen, während Karyu am Rand der Bühne stand und mit den Mädchen in den ersten Reihe flirtete.

Dem Lied folgte eine kurze Pause, in welcher HIZUMI mit dem Publikum sprach, sich nach deren Stimmung erkundigte und seine Freude über das Konzert in Moskau zum Ausdruck brachte. Danach startete "Infection". Dieses Mal sang HIZUMI sehr tief und leise, bis plötzlich alles unvermittelt stoppte - einzig Karyus Gitarre war hörbar. Deren Klang wurde lauter und immer kraftvoller und auf dem Höhepunkt dieses Intros begann "MASQUERADE". Zwar wirkten die ersten Fans müde, doch gerade ZERO und Karyu bemühten sich, die Menge erneut anzustacheln.

Auf "in vain" folgte der Klassiker "Garnet", der eine neue Welle der Freude verursachte und die Erschöpfung prompt vertrieb. Alle kannten die Lyrics und ab und an hörte HIZUMI einfach auf zu singen und lauschte dem harmonischen Gesang der Fans. In "HORIZON" hatten Band wie Fans ein paar kurze Augenblicke Pause, da die Hauptteile des Liedes Karyus Gitarrenspiel gehörten. Dieses Mal war Karyu der Backgroundsänger und einmal mehr brach in der Menge dynamische Bewegung aus. Die Freude der Fans war so groß, dass sie, als das Lied endete, wieder anfingen den Bandnamen zu rufen. "SCREEN" wurde ohne Unterbrechung von "Bullet" abgelöst und ZERO benutzte wieder seinen Charme, flirtete mit der Menge vor der Bühne oder näherte sich plötzlich den VIP-Sitzen darüber. Die Leute ließen sich die Chance, sein Haar zu zerzausen, natürlich nicht entgehen. Nachdem Band und Fans sich im Refrain verausgabt hatten, wurde das Lied vollkommen unerwartet von einem Drumsolo unterbrochen und die Verehrer antworteten, indem sie den Namen des Schlagzeugers riefen: "TSUKASA!" Unterdessen hatte HIZUMI angefangen, die Mitglieder vorzustellen. Nach seinem Satzteil: "Am Bass...", gab es die Antwort: "ZERO! ZERO!". Die Antwort auf die kraftvolle Gitarrenbridge kam auf dieselbe Weise und lautete: "Karyu! Karyu!"

Nach einem weiteren MC startete "KAMIKAZE", das einzige Lied, welches vom Sänger ein paar direkte Lobworte bekam - er sagte, dass er dessen Beats wirklich liebt. Anscheinend kannte das Publikum auch dieses Lied sehr gut, denn der Chor von hundert Stimmen, angeführt von HIZUMI, war wirklich beeindruckend.

Nachdem ein paar Plektren und Wasserflaschen neue Besitzer gefunden hatten, verließen die Jungs erstmals die Bühne - und die Menge wartete voller Ungeduld auf mehr, wovon lautstarke Rufe und ein "We will rock you"-Chor eindrucksvoll zeugten. Glücklicherweise mussten sie nicht sehr lange warten. TSUKASA kehrte alleine zurück und stellte sich ins Scheinwerferlicht, um schließlich eine Flöte herauszuziehen und das russische Volkslied "Kalinka-Malinka" zu spielen. In den ersten Minuten war das Publikum total geschockt, aber dann ertränkten sie ihn förmlich mit enthusiastischen Schreien. TSUKASAs Überraschung schien ein voller Erfolg gewesen zu sein und wurde vom russischen Publikum sehr gut aufgenommen. Nachdem er geendet hatte, kehrten auch die anderen Musiker auf die Bühne zurück. HIZUMI förderte ein Blatt Papier zu Tage, um mit einigen Schwierigkeiten und begleitet von Gelächter sein eher mäßiges Russisch zum Besten zu geben. Karyu tat es ihm gleich.

Begonnen mit "Reddish", ging die Zugabe dann in "MIЯROR" über. Beide Lieder waren Favoriten, vom Publikum heiß geliebt und mit Freude aufgenommen. Nach dem Ende von "MIЯROR" begann die Menge "Arigatou!" zu rufen. Nach diesem Aufschrei verließ die Band - einer nach dem anderen - langsam die Bühne. Das erste Konzert D'espairsRays in Russland war vorbei.

Die Performance dauerte gut zwei Stunden, die an diesem bereichernden Abend förmlich verflogen. Dass man nach dem Konzert vor allem erschöpfte Menschen sah, spricht durchaus für die Energie und die Leidenschaft, die die Halle zuvor noch erfüllt hatte - und bestätigt, dass D'espairsRay es nach zehn Jahren im Geschäft immer noch drauf haben.

Setlist:

Lizard
REDEEMER
MC
TRICKSTeR
Kouhaku
Guitar/Bass セッション
SIXty∞NINe
MC
Infection
Guitar introduction
MASQUERADE
in vain
Garnet
HORIZON
SCREEN
Bullet
Hollow
MC
KAMIKAZE

Zugabe
Tsukasa笛
Reddish
MIЯROR
künstler
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