Interview mit MONO in Berlin

interview - 28.04.2009 17:58

Takaakira Goto, Leadgitarrist und Hauptkomponist von MONO, verriet uns vor dem Konzert in Berlin seine Ansichten zum Touren, dem Leben als Indieband und natürlich zu dem neuesten Album “Hymn To The Immortal Wind”.

30 Minuten vor Beginn des Konzerts machten wir es uns mit einem müden, aber entspannt wirkenden Taka im Tourbus der Band bequem, um ein wenig über die Band zu plaudern. Seit ihrer Gründung vor zehn Jahren verbrachte die Gruppe den Großteil ihres Lebens auf Tour, was man ihnen deutlich anmerkt: Sowohl während des Interviews als auch beim Konzert war ihnen nichts davon anzumerken, dass sie sich tausende von Kilometern von ihrer Heimat entfernt befanden. Die Bühne ist im Laufe der Jahre zu ihrem Wohnzimmer geworden, so scheint es beinahe.

Ich habe es gestern gezählt: Heute ist euer 15. Konzert am Stück! Und 18 weitere warten noch bis zum ersten freien Tag! Seid ihr nicht schon tot?

Taka: Letzte Nacht haben wir nur geschlafen. (lacht) Es kommt darauf an. Manchmal verändert ein freier Tag deine Routine in schlechter Weise. Kontinuität ist großartig. Dein Körper gewöhnt sich daran, dadurch ist es nicht so hart.Wir sind die letzten sechs Jahre fast nur getourt, das ist okay.

Ist bisher etwas Besonderes passiert? Kollabierende Bühnen, schräge Fans, etc.?

Taka: Während der ersten Woche dieser Tour habe ich mir auf der Bühne den Arm ziemlich übel aufgeschnitten. Ich habe keine Ahnung, was passiert ist, plötzlich war da all das Blut auf dem Boden... Aber irgendwie habe ich es gar nicht gemerkt. Ich habe nichts gefühlt, es war verrückt. Jetzt ist es aber wieder am Verheilen.

Was hält euch am Leben?

Taka: Auf jeden Fall das Publikum. Sie geben uns unsere Kraft. Wenn wir immer nur für fünf bis zehn Leute spielen würden, könnten wir das hier nicht tun.

Dieses Jahr ist ein großes Jubiläum für MONO. Wenn ihr auf eure Anfänge zurückblickt: Was habt ihr ursprünglich gehofft und erwartet, zu erreichen?

Taka: Wir sind eine japanische Band. Als wir anfingen, wollten wir außerhalb Japans touren, was sehr schwer war. Ich weiß nicht wieso, aber ich habe amerikanische Bands durch Japan und Asien touren sehen, auch europäische. Aber nur wenige japanische Bands tourten außerhalb Japans. Es rief uns auch niemand an, wir wollten es einfach nur. Wir wussten nicht, wie man an einen Plattenvertrag oder einen guten Booker kommt. Ich denke, in den letzten zehn Jahren ist es besser geworden. Aber die Zeit vergeht so schnell... Ich erinnere mich noch, wie wir auf unserer ersten US-Tour in Bars spielen mussten. Keine Bühne, keine Mikros, sechs oder sieben Leute und alle waren betrunken. Niemand hörte zu, weil uns niemand kannte. Dadurch haben wir lauter und lauter gespielt und auf die Gitarren, den Bass und die Drums eingeprügelt...

Also deshalb seid ihr so laut?

Taka: (lacht) Ja, auf jeden Fall. Wir sind höllisch laut. Wir wollten, dass die Leute einen bleibenden Eindruck haben. Mittlerweile spielen wir leiser. Ich denke, Amerikaner sind sehr ehrlich. Wenn sie Musik mögen, mögen sie sie. Auf unserer ersten UK-Tour hatten wir sieben Zuschauer pro Konzert. Jetzt sind es fast 800. Wir wissen das wirklich zu schätzen, weil wir eine kleine Indieband sind und Werbung und Majorlabels hassen. Wir wollen unabhängig bleiben. Die Leute reden einfach über uns und alles passiert so schnell. Alles wirkt so natürlich. Und all das ist nur wegen unserem Publikum geschehen.

Hier in Europa wurde Hymn To The Immortal Wind erst vor zehn Tagen veröffentlicht. Es ist mit einer Geschichte von Heeya So verbunden. Du hast einmal gesagt, du magst Instrumentalmusik wegen der Bedeutungsfreiheit; dieser Aspekt ist nun geschrumpft. Ist es einfacher, mit einem Konzept im Kopf zu komponieren?

Taka: Die Idee kam davon, dass es so viele Instrumental- und Postrockbands gibt und alle ziemlich gleich klingen. Und alle sagen, dass die Leute sich durchs bloße Zuhören schon den Rest vorstellen können. Ich kann das nicht glauben. Ich fand, es wäre wunderschön und großartig, wenn wir etwas Eindeutigeres machen würden. Wenn es wie ein Film oder Buch ist, finden die Leute leichter Zugang dazu. Wenn wir beim Zuhören alle die gleiche Vorstellung haben, wird die Wirkung stärker sein.

So dass ihr mehr Kontrolle über die Interpretation habt?

Taka: Ja. Ich denke allerdings, dass es ein bisschen wie ein Glücksspiel ist. Manche Leute haben lieber ihre eigenen Vorstellungen. Ich wollte etwas probieren, was ein wenig mehr wie ein Film ist.

Es ist zwar nicht das erste mal für euch, aber wie war es, mit Steve Albini und mit einem Orchester zu arbeiten? Er ist nicht wirklich ein Klassikproduzent, oder?

Taka: Ich glaube, auf unserem ersten Album haben wir ein Cello benutzt, fürs zweite Album waren es ein Cello und eine Violine und fürs dritte war es ein Streichquartett. Es ist natürliches Wachstum. Noch bevor ich die Songs für “Hymn To The Immortal Wind” schrieb, hatte ich schon ein Sinfonieorchester eingeplant. Ich hatte das Selbstvertrauen, ein Orchesterarangement zu schreiben, weil ich es für fünf Jahre geplant hatte. Schon ein einfaches Quartett gibt dir so viel Klangfülle, wieviel mehr würde schon allein ein zweites bringen? Du kannst es dir vorstellen. Und auch wenn wir ein Sinfonieorchester aufgenommen haben, so sind doch vier der Musiker auf diesem Album die Band und die hat sich seit unseren Anfängen nicht geändert. Die Kommunikation ist sehr einfach. Wenn ich ein Problem sehe, spreche ich darüber und sie tun das gleiche.

Ich habe gefragt, weil euer Mix sehr sauber ist im Vergleich zu Steves anderen Projekten...

Taka: Aber Steve ist eine Art Genie, er kennt verschiedenste Arten Musik. Mit seinem tollen Gehör könnte er sogar eine Jazzband produzieren. Und es macht immer Spaß, mit ihm aufzunehmen. Wir hassen Overdubs, wir spielen einfach das gleiche wie bei einem Konzert. Und wir haben nur zwei Wochen für die Aufnahmen plus Mischen für dieses Album gebraucht, das ist sehr schnell. Er ist auf jeden Fall eine Art Genie. Er ist mein Lehrer.

Du hast gesagt, du willst, dass dieses Album optimistischer als die früheren wird. Hat das geklappt?

Taka: Ich denke schon, ja. Was denkst du? (lacht)

Ich denke es auch.

Taka: Ich wollte etwas wie Beethovens neunte Symphonie erschaffen, ein verrücktes, emotionales Stück Musik.

Wenn du Musik schreibst, hast du eine bestimmte Geschichte im Kopf, der du folgst? Nicht für dieses Album, sondern allgemein?

Taka: Ich habe einige Scripts geschrieben, aber ich bin kein professioneller Drehbuchautor. Die Bandmitglieder und Esteban (Rey), der die letzten drei oder vier Album-Artworks gemacht hat, bekommen sie vielleicht zu sehen.

Mir gefällt euer Artwork und eure Homepage sehr. Sie passen zur Stimmung des Albums.

Taka: Danke. Ich wollte Musik machen, die die Menschen morgens hören können, weil sie es sonst nur abends tun. Wir erklären es immer als einen dunklen Wald, in dem du Hoffnung finden musst. Von Anfang an war Hoffnung das zentrale Thema des Albums. Auf Wiedersehen, Tod.

Ihr agiert gerne international, ihr arbeitet auch mit Leuten aus vielen verschiedenen Ländern, richtig? Ihr habt eine Bildergalerie auf eurer alten Website. Wie habt ihr die Künstler und Bilder ausgewählt?

Taka: Ich habe keine Ahnung. Wir haben einfach interessante Bilder gesammelt, die uns Leute zugeschickt haben...

Sie sind der Musik sehr ähnlich.

Taka: Na wie ich sagte, sie wurden uns zugeschickt. Das ist Internetkultur. (lacht)

Wenn diese Tour vorbei ist, was habt ihr als nächstes vor?

Taka: Nun, wir werden in New York mit einem Orchester auftreten, danach geht es nach Taiwan, Japan und noch einmal Europa für die Festivals. Wir werden mindestens für drei Jahre touren und dann... Schreiben wir vielleicht neue Songs. Ich will noch nicht darüber nachdenken.

Also ist es im Moment sehr offen.

Taka: Ja. Letztes Jahr hatten wir uns entschlossen, gar nicht zu touren. Ich habe 300 Tage lang an den Songs geschrieben, es war völlig chaotisch. Ich bin lieber auf Tour, dabei fühle ich mich wohl, wegen der starken Emotionen und der Menschenmenge. Wenn ich in meinem Proberaum in Japan bin, denke ich die ganze Zeit daran und stelle es mir vor. Es macht mich glücklich.

Wo wir über Internationales reden - würdest du zustimmen, dass euer visuelles Design (die CD und Homepage) japanisch ist, während die Musik europäisch wirkt?

Taka: Oh, findest du? Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung. Jemand sagte mir, dass "Ashes In The Snow", der erste Song auf “Hymn To The Immortal Wind”, eine sehr japanische Melodie hat. Vielleicht habe ich einige traditionelle japanische Dinge in mir, aber das kontrolliere ich nicht. Ich liebe Ennio Morricone und Beethoven, aber ich weiß nicht, wie viel traditionelle japanische Kultur in mir steckt. Aber vielleicht habe ich sie.

Würdet ihr gerne eine Filmmusik schreiben?

Taka: Auf jeden Fall. Das wollen wir machen, es wäre wunderschön.

Bitte gib noch einen Kommentar für unsere Leser ab!

Taka: Um ehrlich zu sein: Ich glaube, bis vor drei Jahren war es sehr schwer, in Deutschland zu spielen. Wir tourten viel, aber die Hallen war immer leer. Sogar in Frankreich, England und den Niederlanden wurde es besser, aber Deutschland war schwierig. Es scheint, als würden sich die Leute jetzt für uns interessieren. Wir sind sehr glücklich, hier zu spielen und ich hoffe, dass unsere Musik mehr Leute erreichen wird.

Das klingt großartig.

Taka: Ich denke, es wird großartig sein. (lacht)

Wir danken MONO und Joris von Conspiracy Records.
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