m-flo - inside -WORKS BEST III-

review - 25.04.2009 14:44

Was VERBAL und Taku sonst so treiben.

m-flo pausieren derzeit. Ihren mehr oder weniger offiziellen Abgang legten sie bei J-MELO hin, wo es hieß, dass die Zukunft ungewiss sei und man sich vorerst auf andere Projekte konzentrieren würde. So schmeißt Taku nun regelmäßig Parties, werkelt am Mischpult und hat mit Osawa Shinichi (Mondo Grosso) und Tanaka Tomoyuki (Fantastic Plastic Machine) das Trio ravex gegründet, während VERBAL als Gastrapper aktiv ist und sich den TERIYAKI BOYZ widmet. Fans von m-flo haben da erstmal das Nachsehen, es sei denn, sie sind scharf auf Remixversionen alter Lieder und Best of-Alben.

Wir sind es. Jedenfalls auf "m-flo inside -WORKS BEST III-", das am 18.03.2009 seinen Weg in die Plattenläden fand. Die inside-Reihe des Duos hat schon zweimal einen Blick auf die Machenschaften VERBALs und Takus außerhalb m-flos ermöglicht, der dritte Streich zeigt nun, wen die beiden in letzter Zeit produziert und wo sie sonst ihre Finger mit ihm Spiel hatten.

Der Auftakt der Sammlung ist etwas lahm, der hier erstmals veröffentlichte Track "What Now?" von Mademoiselle Yulia und VERBAL langweilt nach dem einfallsreichen Intro schnell und auch den Remix von "Universe" hätte man sich sparen können, aber spätestens, wenn die ersten Takte von LISAs "Bad Men!" einsetzen, fällt einem als alteingesessener Fan wieder ein, dass hinter m-flo zwei ziemlich geniale Typen stecken. Und dass die Harmonie zwischen ihnen und LISA auch nach Jahren noch stimmt. In einem durch und durch stimmigen Dancetrack rechnet die Halbkolumbianerin mit der Männerwelt, beziehungsweise mit den bösen Jungs ab ("So I'm that trouble chica, you mess with me? I beat ya!"), appelliert an ihre weiblichen Zuhörerinnen, die sich bloß nicht unterkriegen lassen sollen, und macht das alles so selbstbewusst und authentisch, dass man meinen könnte, das Lied wäre kurz nach einer Beziehungskrise entstanden. Parallelen zu Kelis' "Caught Out There" sind übrigens nicht ganz von der Hand zu weisen.

Fans von seichterem Pop werden wohl Gefallen an Stücken wie Crystal Kays "I Know" und "See You..." von melody. finden, die beide höchstens ganz nett sind. Dass melody. die Musikbranche verlassen hat und sich nun auf ihre Karriere im Modebusiness und bald als Ehefrau und Mutter konzentriert, tut nach dem Track jedenfalls nicht unbedingt weh.
Spannender ist da "Super Shine", die Single, mit der Verbal sich vor längerer Zeit zurückmeldete. Mit schneidigem Text ("They all used to play me out, now they play me at their house" und zwischendurch betitelt der gute Verbal sich auch als "weltberühmt"... naaa ja) und netten Electropop-Spielereien weiß "Super Shine" zu gefallen, wer mit Auto Tune und EXILEs Boygroupgesang etwas anfangen kann, sollte sich die Nummer jedenfalls nicht entgehen lassen. Auch "I Still Love H.E.R." (TERIYAKI BOYZ) gehört zu den besseren Stücken des Albums und stammt aus einer Zeit, in der Kanye artsy fartsy West noch ganz dufte war. Liebt man "Touch The Sky (feat. Lupe Fias)", wird man "I Still Love H.E.R." zumindest mögen.

Und dann kommen die Erinnerungen hoch. War es bei "m-flo inside" noch die Hymne "AIDA (020609 TACHYTELIC REMIX)", die mal so gar nicht reinpasste, folgt auf gechillten Hip-Hop nun "That's Not My Name" (The Ting Tings) im ziemlich krassen Taku-Remix. Aber okay, hier geht es immerhin darum, Vielfalt zu zeigen - und da stört es auch nicht, dass harte Clubbeats und seichtere Urban-Nummern nicht wirklich harmonieren. Der Remix ist übrigens brillant. Miliyah Katos Interpretation von m-flos Urhit "been so long" leider nicht so. Wenn sie sich schon an einem Klassiker vergreift, wären zumindest Kreativität und Wagemut angebracht, "For So Long" allerdings klingt fast exakt wie die Originalversion, nur kommt Miliyah gefühlsmäßig einfach nicht an LISA ran. T-Pains "Can't Believe It" hingegen trifft den Nerv besser, aber.. verdammt, was haben eigentlich alle mit Auto Tune? Ich hab das mal auf meinem Computer installiert, ein bisschen gesungen und voilà - schon klang ich auch wie Akon. Langweilt das die Künstler nicht selbst langsam?

Spannender ist "Turn It Up". Dieser Gesang! Die Raps! Der Text! Die Stimmung!
Thelma Aoyama, DZ-T, LITTLE, KOHEI JAPAN und VERBAL erfinden das Genre zwar nicht neu, liefern aber eine eingängige Popnummer, die ganz schlimme Ohrwürmer beschert. Auf der Bewertungsskala ist zwar nicht mehr drin als ein "ganz nett", aber die Formation klingt so sympathisch (nö, Thelma Aoyamas Gesang ist nicht grandios, aber süß ist sie schon), dass einem ganz warm ums Herz wird. Wie bei einem selbstgebastelten Geschenk.

Sowelus "Material World" wiederum verdient sich das Prädikat "super-mega-über-toll" definitiv. Was ist denn da passiert? Stöhnte die Sängerin sich einst durch nette Nummern wie "Uh" oder kämpfte in "SO EXCLUSIVE" mit einem Herzkasper, ist sie mittlerweile nicht nur platinblond, sondern auch ganz schön erwachsen. Und das neue Image steht ihr. Von der einst süßen Poptussi ist wenig übrig, "Material World" ist ernst, direkt und mitunter ganz schön melancholisch. Dabei legt Sowelu eine Reife an den Tag, die man gerade von ihr nicht erwartet hätte - und sorgt mit dem poppigen Dance-Refrain für Unterhaltung. Dass sie angesichts des ernsten Textes und der melancholischen Grundstimmung nicht ins überdramatisch-schmalzige abdriftet, was bei Popsängerinnen ja schnell der Fall ist, gibt Bonuspunkte. Und dass die treibenden Beats wie das Ticken einer Uhr klingen, ist eine ziemlich geniale Idee.

"Yume no FUTURE feat. KOTOMI" verdient allein schon wegen des DJ-Namens Erwähnung: Time Is Dissing Me. Kenn' ich. Besonders, wenn ich von der Zukunft träume - so wie eben KOTOMI und RYUKYUDISKO in diesem Track. Inspiration für diesen Remix muss wohl ein rauchiger Club mit zwielichtigen Gestalten gewesen sein, "Yume no FUTURE" überzeugt mit finsterer Grundstimmung, die durch die stark bearbeitete, helle Stimme KOTOMIs gelichtet wird. Ziemlich chaotisch, ziemlich genial. Weniger genial ist DOUBLEs "Summertime", die Popdiva singt hier dermaßen schrill und gewollt süß (halloho, du bist nicht mehr 12 und kannst eigentlich singen?!), dass man sich schleunigst den Winter herbeiwünscht. Und das gesamte Arrangement ist für m-flos Verhältnisse ziemlich arm, da sorgt nicht mal VERBALs Part für warme Gedanken.
"Lotta Love", das letzte Lied, im Vibes-Mix interpretiert die sprudelnde Popnummer neu und schlägt etwas ruhigere, aber ebenso fröhliche Töne an. Das "yeeeaaahyeah"-Gefühl bleibt.

Auf Disk 2 folgt Taku Takahashis "Global Astro Liner the Best DJ Mix", der viele Klassiker kurz aufgreift ("Loop In My Heart", "Miss You", "A.D.D.P.", "Let Go" und "Quantum Leap", um nur einige zu nennen), mal in der gekürzten Originalfassung, mal im Remix. Nennenswert ist hier der "Get On!"-Remix von Ugly Duckling, der mit "A Little Samba"-Elementen (kennt das noch jemand?) aufgemöbelt wurde. Die Jungs von Ugly Duckling rappen hier auch selbst ("Overseas, I think I'm turning Japanese!") und zeigen deutlich, dass sie m-flo und besonders diesen Track mögen. Das Tribut sticht durch Einfallsreichtum und Euphorie hervor, der Rest des Megamixes ist eben.. ein Megamix. Ganz in Ordnung, wenig überraschend, eine schlichte Aneinanderreihung diverser Lieder.

"m-flo inside -WORKS BEST III-" reiht sich nahtlos in die inside-Reihe ein. VERBAL und Taku präsentieren das, was sie in letzter Zeit fabriziert haben und sorgen dabei für die ein oder andere Überraschung. Durch die vielen beteiligten Künstler ist die Sammlung eher durchwachsen, nicht jedes Lied überzeugt, nicht jede Zusammenarbeit ist reizvoll, aber durch die verschiedenen Genres und Ideen ist für (fast) jeden Geschmack etwas dabei. Interessant ist dieses Best of definitiv - und Lust auf mehr macht es auch. Nur gut, dass m-flo jüngst angekündigt haben, dieses Jahr zurückzukehren. Geplant ist ein weiteres Best of. Dann ist's aber auch genug, wir wollen neue Musik! (7.5/10)
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