J-Rock INVASION in Köln

konzertbericht - 23.01.2008 13:00

Ein Konzertbericht von der J-Rock INVASION in Köln (29. Dezember 2007) UPDATE!

Kühl und verregnet zeigte sich der 29. Dezember 2007 in Köln, welches zum zweiten Mal in diesem Jahr Fans japanischer Rockmusik aus Deutschland, Europa, Japan und woher auch immer mit gleich mehreren Künstlern lockte. Die J-ROCK INVASION ließ für viele das konzertreiche Jahr angemessen ausklingen. Mit SuG, SCREW, Kra, alice nine. und Kagrra, waren dieses Mal ausschließlich PSC-Künstler vertreten; zudem war es für alle Bands der erste Auftritt in deutschen Gefilden. Dementsprechend groß war das Interesse unter den Fans, die wieder zahlreich erschienen waren, vielleicht nicht zuletzt dank des finanziell für viele günstig gelegenen Termins nach Weihnachten.

Jedenfalls hatte es trotz der unfreundlichen Temperaturen und des feuchten Wetters wieder aufgeregte Fans gegeben, die bereits zwei Tage im Freien vor der Halle campiert hatten, während der Großteil der Konzertbesucher sich gerade mal im Laufe des Tages vor dem Palladium sammelte.
Interessanterweise hatten sich unter das übliche bunte Sammelsurium der Besucher auch einige alkoholisierte Punks gemischt und auch der Anteil der Begleitpersonen für die Fans unter 16 scheint immer größer zu werden.

Das Wetter schien die gewohnte Hysterie ein wenig zu bremsen und so verlief der Einlass überraschend gesittet für sonstige Verhältnisse und auch organisierter als bei der J-SHOCK.
Ein Blick auf die Traube vor dem Merchandisestand hinter dem Eingangsbereich verriet, dass zumindest hier nicht viel aus dem letzten Mal gelernt wurde. Schlangenbildung war wieder ein Fremdwort.
Hatte man sich dann endlich durch die drängelnde Menge gewühlt, erschlug einen das Angebot nicht gerade, dafür aber die lächerlich hohen Preise.
Auch in der Halle selbst, die wieder zweigeteilt wurde, konnte man im Hintergrund einkaufen gehen. Dort befand sich ein eher für Conventions typischer Stand mit Modellfiguren verschiedener Anime- und Mangacharaktere, Schlüsselanhängern, Plüschtieren, Zeitschriften und so weiter.
Für eines muss man den Organisatoren wohl aber auf Knien danken: Danke - für keine Autogrammstunde und dafür, dass den Bands erspart geblieben ist, was An Cafe & Co über sich ergehen lassen mussten.

Obgleich das Event nicht ausverkauft war, war das Palladium voll und die Stimmung von Anfang an ausgesprochen gut. Wie immer war das Publikum ein wahrer Blickfang, was auch die Bands später honorierten, gerade die verschiedenen Cosplays kamen ausgesprochen gut an.

Irgendwann hatte ich mir dann ein Plätzchen mit Blick auf die noch hinter einem großen Vorhang versteckte Bühne gesucht und es konnte losgehen. Den Auftakt für diesen langen Abend bildeten SuG, eine noch ziemlich junge und bis dato eher unbekannte Band aus der Indiefraktion der PS-Company. Mit ihrem Erscheinen und den ersten Klängen der Gitarenriffs aus den Verstärkern entluden sich jedoch schlagartig der Enthusiasmus und die Spannung im Publikum, die sich den ganzen Tag über mit der Vorfreude aufgebaut hatten, und der erste Song, "Candy lowpop", ließ die Menge begeistert Jubeln und im Takt auf und ab springen. Das Motto "Heavy positive rock" der Band beschreibt ihren Stil recht treffend und die Wahl für die ersten Künstler des Abends hätte nicht besser sein können. Nicht weniger begeistert als die Fans schien auch die Band; insbesondere Sänger Takeru in seinen bonbonbunten Klamotten machte richtig Stimmung und nach dem zweiten Song, "LOVE SCREAM PARTY", betrieb er (gut vorbereitet mit Spickzettel) in verständlichem Deutsch und Englisch ein wenig Konversation mit den Fans. Neben den Standardsätzen und dem Bekenntnis, dass er Narutofan war, drohte Takeru originellerweise auch mit Harakiri, falls die Fans nicht fleißig ihre Single kaufen würden und angesichts der Preise fragte ich mich, ob das hier vielleicht SuGs letztes Konzert sein würde...

Nachdem sich der erste Staub gelegt hatte, ging es heiter vorwärts mit drei weiteren Songs und angefeuert von der Euphorie des Publikums gaben die Jungs alles und rockten sich mit ihrer jugendlich-sympathischen Frische wohl in das ein oder andere Herz. Ihre Popularität haben sie mit diesem Auftritt jedenfalls sicherlich vergrößert und es bleibt zu sagen, dass SuG ihre Performance grandios und vor allem sehr professionell gemeistert und die Masse wirklich unterhalten haben.

Die Wartezeit während der Umbaupausen wurde jedes Mal mit einem kleinen Interview der Band überbrückt, die gerade gespielt hatte und zwei Mitglieder beantworteten Fragen über die Band, den Aufenthalt in Deutschland, die Fans, Neujahrspläne und dergleichen. Im Fall von SuG standen Sänger Takeru und Gitarrist Yuji auf der Bühne, die mit ihrer erfrischenden und sympathischen Art abermals die Fans für sich begeistern konnten. Neben den Live-Interviews, die großen Anklang fanden, gab es als besonderes Extra eine Art Tombola für diejenigen, die bereits Merchandise erworben und es überlebt hatten. Mit etwas Glück und der richtigen Nummer konnte man signierte Goods der Bands gewinnen.

Weiter ging es danach mit SCREW, was vor allem musikalisch einen Umschwung darstellte. Im Vergleich zur Vorband ging es hier härter zur Sache mit mehr Shouts und Screams und treibenden Rhythmen. Auch SCREW haben sich erst 2006 gegründet und hatten die seltene Gelegenheit, als so junge Band schon im Ausland spielen zu können. Vokalist Byo war nicht weniger Entertainer als sein Kollege von SuG, hatte aber eher die dramatischen Posen passend zur Musik der Band drauf und brannte sich vor allem durch seinen gold glänzenden Anzug ins Hirn und die Netzhaut des Publikums.
Während ihres Auftrittes herrschte trotz des vergleichsweise geringen Bekanntheitsgrades doch reichlich Stimmung; davon zeugten zumindest die zahllosen Fäuste, die im Takt durch die Luft flogen und das Meer von bangenden Köpfen. Auch die Band fiel in die üblichen Bewegungen auf der Bühne mit ein und Byo spie gegen Ende noch sein Wasser der grölenden Menge entgegen. Mit Songs wie "Death's door", "VEGAS" und "S=r&b" spielten auch sie sich im Schnellschritt durch ihre bisherige Diskografie. So evil die Jungs sich auf der Bühne auch inszenierten, gab es danach beim Interview doch noch ein Küsschen zwischen Drummer und Vocalist, wobei letzterer sich auch einen Spaß daraus machte, die Lose für die Gewinner anzuknabbern.

Nach dem Interview mit zwei SCREW-Mitgliedern folgten dann Kra aus dem PSC-Majorrepertoire, die das Konzert wieder mehr in die heitere Richtung lenkten. Drummer Yasuno eröffnete ihren Auftritt stilecht mit einer roten Rose, die er ins Publikum warf, bevor er sich an sein Drumset setzte und mit seinen pinkfarbenen Drumsticks loslegte. Ihr erster Song "LOST NUMBER" rockte die Halle angemessen und Sänger Keiyuu begab sich auf das Podest am vorderen Bühnenrand, um mit seiner doch eher zierlichen Statur auch für die Leute weiter hinten sichtbar zu sein.
Da die Band hier ihre Deutschlandpremiere gab, ließ sie es sich nicht nehmen, auch ältere Stücke in die Setlist einzubauen, um den Besuchern ein breiteres Spektrum ihrer Musik präsentieren zu können.
So kam man auch in den Genuss von Titeln wie "En" oder "Mutaku to mutaku to", die sowohl dem Publikum als auch Kra reichlich Spaß brachten.
Gitarrist Mai schien besonders viel Wert auf Kommunikation mit Fans zu legen und streckte diverse Male seine Hand zur Menge, was mit Begeisterung erwidert wurde. Keiyuu gab derweil ein paar ParaPara-Lektionen für die Fans, die fleißig mitmachten und sich offensichtlich prächtig amüsierten. Yuura am Bass fiel vor allem durch seine groovigen Basslines und sein Slapbassspiel auf, wobei er im Nachhinein auch die Red Hot Chili Peppers im Interview als Vorbild angab. Im Hintergrund machte Yasuno den Eindruck, als hätte er aus seinem Drumming eine Choreografie gemacht und grinste unablässig ins Publikum. Nach acht Songs verabschiedeten sich die Vier allerdings und das Gerenne in den Fanmassen ging wieder los.

Nach Kras Performance und dem Live-Interview mit Keiyuu und Yuura wuchs die Unruhe im Publikum langsam und die allgemeine Vermutung, dass die nächste Band alice nine. sein würde, ließ deutliche Tendenzen erkennen. Obwohl Kaggra, der Hauptact des Abends waren, so wurde spätestens bei der Ankündigung ihrer jüngeren Kollegen allzu deutlich, dass alice nine. die Position der meisterwarteten Band inne hatten. Zumindest der vordere Teil der Halle flippte überdeutlich aus, als die fünf Mitglieder ganz in weiß die Bühne betraten. Sänger Shou, der weniger Tage zuvor noch Fieber gehabt hatte, war durch seine Erkältung noch immer geschwächt, hielt sich aber während des Auftritts wacker. Mit "WHITE PRAYER" legte die Band also los und brachte die Halle noch mal richtig zum Kochen. Viele der Fans sangen während der Lieder mit und gaben ein gutes Bild der im letzten Jahr deutlich gestiegenen Beliebtheit der Gruppe.

Die Setlist war wie bei Kra sowohl mit neuen als auch älteren Titeln gefüllt und die Jungs ließen es sich nicht nehmen, während "High collar naru rinbukyoku" ihre übliche Vorstellungsrunde einzubauen, bei der die Fans nacheinander die Namen der einzelnen Mitglieder riefen. Die Band hatte sichtlich Spaß und während die Gitarristen Hiroto und Tora jeweils ihre Seite der Bühne rockten und gelegentlich auch tauschten, ging Bassist Saga in seiner gewohnten Poserrolle auf. Auch Shou hatte eine kleine ParaPara-Lektion zu bieten und ließ die Fans vereinzelt mitsingen. Klassiker wie "Velvet" und "Shunkashuutou" sorgten ebenfalls für eine gute Ausgewogenheit des Sets, doch nach "Blue Planet" hieß es dann auch für die vierte Band des Abends überraschend plötzlich Abschied nehmen und so verließen sie die Bühne und ließen ihre Fans mit einem glücklichen Lächeln im Gesicht zurück.

Während der Interviewpause begann dann die Erschöpfung doch sichtlich auch an den hart gesottenen Fans zu nagen, die die Bands die ganze Zeit angefeuert und unterstützt hatten. Viele verließen das Gedränge, um sich weiter hinten oder an den Seiten etwas auszuruhen oder sich draußen Getränke zu kaufen.
Trotzdem war der Abend ja noch nicht zu Ende.
Angesichts eines so langen Events kann man sich schon fragen, wie dankbar die finale Position des Hauptacts eigentlich ist, der dann vor eine immer noch euphorische, aber schon sichtlich mitgenommene Menge tritt.
In Kagrra,s Fall erwies sich die Reihenfolge jedoch als gut.

Als älteste Band des Abends hatten auch sie ihre treuen Fans im Publikum, die man teils vor allem an den in die Höhe gestreckten Fächern erkannte. Einige Mitglieder der vorigen Bands hatten sich bereits an den oberen Balkonflächen seitlich an der Halle eingefunden, um den Auftritt ihrer Kollegen mit anzusehen.
Als Repräsentation ihrer Einstellung zu japanischen Traditionen war die ganze Band in Kimonos gekleidet, aber nicht nur die Outfits kontrastierten stark zu den vorangegangenen Acts. Die traditionell beeinflusste Musik mit den Synthesizereffekten und die klare Stimme von Vokalist Isshi, der definitiv die beste Gesangsleistung des Abends brachte, verbreiteten eine irgendwie entspannte Stimmung in der gesamten Halle und nach dem ganzen Rocken und Springen hatte das einen sehr erholsamen Effekt. Auffällig waren hier die gut abgestimmten Lichteffekte, die zusammen mit der von Isshi angeführten Fächerchoreografie der Fans einen bleibenden Eindruck des Konzertes hinterließen. Natürlich ging es auch bei Kagrra, teils rockig zu und Akiya und Shin an den Gitarren gingen vollends in ihrer Musik auf, sodass sie weniger auf eine unterhaltsame Performance fokussiert waren.

Isshi hatte von allen die meisten deutschen und englischen Sätze für ein bisschen Smalltalk vorbereitet und mit etwas Fantasie konnte man ihn sogar ganz gut verstehen.
Kagrra,s Set zog sich ebenfalls durch mehrere ihrer Alben und sie spielten an diesem Abend sogar einen zu diesem Zeitpunkt noch unveröffentlichten Song („Guilty“) ihres aktuellen neuen Albums "Core" - laut eigenen Angaben ein Geschenk für die anwesenden Fans, meiner Meinung nach ein durchaus gelungenes Geschenk.

Mit ihrem Auftritt haben sie definitiv für einen gelungenen Abschluss des Abends gesorgt und das letzte bisschen Energie aus den Fans herausgeholt. Obwohl sich nach diesen fünf erinnernswerten Bands eine allgemeine Erschöpfung ausgebreitet hatte, sah man doch fast nur zufriedene und glückliche Gesichter. Alle waren froh, dass sich die oft lange Reise gelohnt hatte und viele Fans der älteren Bands hatten teilweise schon jahrelang auf eine Möglichkeit gewartet, sie live zu sehen.

Es gab diverse Andeutungen der Bands, dass sie gern wiederkommen würden, wenn die Möglichkeit bestände, und auch der Nachtrag "Episode 1" der J-ROCK INVASION lässt auf eine Fortsetzung hoffen. Ob sie nun aber kommt oder nicht - die Bands und die Fans haben dieses Zusammentreffen jedenfalls genossen, alles gegeben und für eine schöne Erinnerung an den Ausklang des Jahres 2007 gesorgt und sicher hoffen alle auf ein baldiges Wiedersehen.

Set lists:

SuG:

SE
1. Candy lowpop
2. LOVE SCREAM PARTY
MC
3. Alterna.
4. Unplugged Superstar
SMC
5. WhitE_BleacH

SCREW:

SE
1. Death’s door
SMC
2. VANQUISH
3. VEGAS
MC
4. Zansatsu Fiction
5. S=rÅïb

Kra:

SE
1. LOST NUMBER
2. En
SMC
3. Yamiyo no gene
4. Karasu no makura
SMC
5. Wabun haku
6. Mutaku to mutaku to
7. Showtime
8. [-] (teihen)

alice nine.:

SE
1. WHITE PRAYER
2. Velvet
MC
3. TSUBASA
4. Ruri no ame
5. High collar naru rinbukyoku
MC
6. Shunkashuutou
7. Blue planet

Kagrra,:

1. Amafurase tanmaina
2. Rin
3. Kisai
4. Nue no naku koro…
5. Yousai
6. Genei no katachi
7. Utakata
MC
8. Unmei no ito
9. “Sakebi”
10. Kotodama
MC
11. Zan mikado (guilty)
12. Irodori no sanka
13. Urei

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JaME bedankt sich bei Rock Identity, die es uns ermöglicht haben, dieses Konzert zu besuchen.
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