Kanon Wakeshima und Mana in Paris

konzertbericht - 26.04.2009 20:00

Am 12. Februar feierten Kanon Wakeshima und ihr Produzent Mana das Europarelease ihres Debütalbums mit einem Event in Paris.

Da die Veranstaltung der geringen Kapazität des Clubs La Bellevilloise wegen auf 350 Personen begrenzt war, hatten die Fans seit den frühen Morgenstunden vor dem Eingang gewartet und eisigen Temperaturen, Wind und Schnee getrotzt, um sicherzugehen, dass sie zu den Glücklichen zählen würden. Pünktlich um 20:00 Uhr öffnete der Club dann endlich seine Pforten und die Fans betraten, vorbei an einem Merchandise-Tisch mit der Europapressung von Kanons Debütalbum "Shinshoku Dolce", Spiegeln und Zeichnungen, sowie der ebenfalls frisch erschienenen Europapressung von Moi dix Mois' "DIXANADU ~Fated "raison d'étre"~ Europe Tour 2007" DVD, den verdunkelten Zuschauerraum.

Gegen 20:30 Uhr betraten zwei Moderatoren die kleine Bühne, informierten die Anwesenden, dass fotografieren und Videos drehen unter (scherzhafter) Androhung von körperlicher Gewalt verboten seien, und kündigten dann das Programm des Abends an, angefangen mit einer Podiumsdiskussion mit Mana.

Mana betrat die Halle durch eine Tür an der Rückseite des Zuschauerraums. Er war sehr elegant in ein schwarzes Ritual Print Hemd, weite schwarze Hosen und einen schwarzen Samthut (alles Produkte seiner Modemarke Moi-même-Moitié) und hochhackige schwarze Plateaustiefel gekleidet und wurde mit lautem Jubel begrüßt. Nachdem er die Stufen zur Bühne erklommen hatte, nahm er neben einem Dolmetscher Platz und begann, Fragen zu beantworten. Wie üblich sprach Mana nicht selbst, sondern schrieb seine Antworten auf einen Notizblock, den er dem Dolmetscher reichte, welcher diese dann ans Publikum weitergab, während Mana sie mit ausdrucksstarken, oft absichtlich komischen Gesten unterstrich. Trotz seines düsteren Images hat er definitiv Sinn für Humor!

Er erklärte, dass er sich freue, wieder in Paris zu sein, da diese Stadt für ihn schöne Erinnerungen birgt. Interessant auch seine Erläuterung zu seiner Zusammenkunft mit der Protagonistin des Abends: Sony habe ihn gebeten, Kanons Produzent zu werden. In seinen Augen sei sie darüber hinaus das perfekte Mädchen, weil sie nicht nur wunderschön Cello spielen, sondern auch gut zeichnen kann. Über "Shinshoku Dolce" sagte er, dass jeder Song auf dem Album einen eigenen Charakter habe und man es deshalb immer wieder hören könne, ohne dass es langweilig wird, und dass die Mischung aus Gesang, Cello und Elektronik einzigartig sei. Natürlich wollten die Fans auch wissen, was für Pläne er für seine eigene Band, Moi dix Mois, hat und er erwiderte, dass er gerne wieder nach Europa kommen würde, sie das aber in nächster Zeit nicht vorhätten. Schließlich bat er die Anwesenden, nett zu Kanon zu sein, weil sie noch sehr jung und zum ersten Mal in der Fremde sei. Dann verbeugte er sich und verschwand auf dem selben Weg, auf dem er gekommen war.

Nun wurde ein weißes Cello auf die Bühne getragen und die beiden Moderatoren erschienen wieder und kündigten Kanons Konzert an. Sie hatte bereits am Vortag im FNAC Plattenladen auf der Champs-Élysées einen Solo-Auftitt gehabt, bei dem sie Autogramme gegeben und einige Fragen von Fans beantwortet hatte. Unter anderem hatte sie erklärt, dass sie viel von Mana gelernt habe und dass die Arbeit mit ihm sehr anregend sei. Als man sie nach ihren Inspirationen fragte, nannte sie Märchen wie Aschenputtel und Alice im Wunderland, die auf den ersten Blick naiv wirken, aber auch eine dunkle Seite besitzen. Diese Ambivalenz fasziniert Kanon. Der Anime Vampire Knight war Kanon übrigens kein Begriff, bevor ihre Songs für sein Endingtheme ausgewählt wurden, mittlerweile ist sie aber begeistert von der Geschichte und würde gerne die Cross Academy besuchen, weil sie die Schuluniformen dort so hübsch findet. Nachdem sie am Vortag also gesprächig gewesen war, war der Abend im La Bellevilloise ganz ihrer Musik gewidmet.

Kanon betrat den Raum durch die selbe Tür wie Mana, begleitet von "Kanon! Kanon! Kanon!"-Rufen aus dem Publikum. Sie trug das lange, rote Kleid und Headdress, die auch im CD-Booklet von "Shinshoku Dolce" zu sehen sind, und ihr Reifrock war so bauschig, dass er kaum durch die Tür passte. Auf der Bühne angekommen begann sie sofort mit "Shinku no Fatarythm", gefolgt von "Suna no oshiro". Ihre Stimme war kräftig und klar und sie trug beide Songs mit viel Selbstvertrauen und Charme vor, während sie zwischen Cello, Mikrophonständer und Handmikrophon wechselte, zur Musik tanzte und mit ihrem langen, weiten Rock spielte.

Nach dem zweiten Song legte sie eine Pause ein und sprach zu ihrem Publikum. "Rein" ist ein Wort, das in unserer zunehmend lauten und vulgären Welt beinahe in Vergessenheit geraten ist, aber es beschreibt Kanon Wakeshima besser als jedes andere. Sie strahlt die aufrichtige Liebenswürdigkeit und Unschuld eines jungen Mädchens aus, das noch nicht lange im Showgeschäft tätig ist und dessen weniger angenehme Seiten noch nicht kennengelernt hat. Sie stellte sich in erstaunlich klarem und fließendem Französisch vor und platzte dann aufgeregt heraus, dass sie seit ihrem dritten Lebensjahr Cello spielt, Paris und Croissants liebt, dass ihr Lieblingsessen Spaghetti ist, sie Katzen liebt und ihre eigene Katze schwarz ist.

Dann ging es weiter mit ihrer Debütsingle "still doll". Während sie sang, bewegte sie sich wie eine aufziehbare Puppe und griff dann mit den gleichen steifen, ruckartigen Bewegungen nach ihrem Cello, um ihr Solo zu spielen. Diejenigen, die sich einen Augenblick lang von ihrer Performance losrissen und umdrehten, konnten einen Blick auf Mana erhaschen, der durch die Tür an der Rückseite des Zuschauerraums spähte und die Reaktionen der Zuschauer auf seinen Schützling beobachtete. Als die Menge am Ende des Songs laut jubelte, bedankte Kanon sich mit einem strahlenden Lächeln und einem glücklichen "Merci!". Schließlich endete die Vorstellung mit dem beschwingten "skip turn step♪", das jedermanns Favorit zu sein schien. Kanon bat die Fans, mit zu klatschen, was diese sogleich mit Enthusiasmus taten, und als sie einen mit Rüschen besetzten, roten Schirm aufspannte und im Takt der Musik schwang, folgten einige Zuschauer ihrem Beispiel und schwangen ihre eigenen Schirme, während die übrigen weiterhin klatschten. Nach einem letzten, von Herzen kommenden "arigatou gozaimasu" verabschiedetet sich Kanon und verließ die Bühne.

Nun war es Zeit für Manas Autogrammstunde, die auf einer Galerie auf der linken Seite des Raums stattfand, während unten auf der Bühne die DVD "DIXANADU ~Fated "raison d'étre"~ Europe Tour 2007" gezeigt wurde. Einer nach dem anderen wurden die Fans die Treppe hinauf und an den Tisch geführt, an dem Mana ihre DVDs signierte. Einige hatten auch Blumen und andere Geschenke mitgebracht. Neben ihm saß wieder der Dolmetscher, der ihre Namen niederschrieb, damit Mana jedem Fan sein Autogramm persönlich widmen konnte, und übersetzte, was sie ihm zu sagen hatten. Nachdem alle Fans ihr Autogramm und ihren Händedruck bekommen hatten, stieg Mana die Wendeltreppe hinab, die von der Galerie hinunter in den Zuschauerraum führte, wo er spontan von Jubel und Applaus empfangen wurde. Er verbeugte sich tief und bevor er durch eine kleine Tür neben der Bühne verschwand, drehte er sich noch einmal um und winkte dem Publikum zu.

Der Abend endete mit einer Vorschau auf die ersten beiden Episoden des Vampire Knight Anime mit französischen Untertiteln, der demnächst erscheint, und schließlich einem Vampire Knight Quiz.

Kanon und Mana dürfen zufrieden sein mit dem, was sie bisher erreicht haben. Kanons klassisch inspirierte Musik und ihre melancholischen Texte sind weit entfernt von dem gradlinigen, harten Rock, der die westliche J-Fanszene dominiert, doch bei ihrem ersten Auslandsauftritt bezauberte sie alle mit ihrem mädchenhaften Charme und der Stärke ihrer Performance. Wir hoffen, dass diese aufregende junge Künstlerin uns bald wieder beehrt, und wünschen ihr und Mana viel Erfolg bei ihren zukünftigen Projekten!
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Wakeshima Kanon 12/02

Wakeshima Kanon
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