MIYAVI slappt die Saiten in Berlin

konzertbericht - 28.07.2017 10:00

Der Gitarrist spielte die abschließende Show seiner Welttournee "Firebird" in Berlin und demonstrierte ein fantastisches Duett von Gitarre und Stimme.

Es ist schon zwei Jahre her, dass die letzte Show von MIYAVI in Deutschland stattfand. Also war es eine gute Gelegenheit, das Publikum daran zu erinnern, was es mit Samurai-Gitarrenrock auf sich hat. Jahrelang unverändert bleibt bei dem Musiker nur sein Slap-Gitarrenspielstil, bei dem er gegen die Saiten haut, anstatt daran zu zupfen. In allem anderen zeigt der Japaner eine enorme Experimentfreudigkeit. Die sich am 10. Mai in Berlins Huxleys versammelten Zuschauer hatten die Chance, die wilde musikalische Mischung aus Rock, Pop, Jazz, Hip Hop und sogar traditionellen japanischen Klängen zu erleben.

Der Auftritt der Band Capitano eröffnete die Show. Deren lustige Performance kombiniert mit ihren schrägen Outfits, die den Kostümen des brasilianischen Karnevals ähnelten, sorgten für ziemlich viel Spaß.

Schon der Auftritt der Vorband versprach, dass an diesem Abend viel getanzt werden würde und der Hauptakteur des Abends mit viel Unterstützung der Fans rechnen konnte.

MIYAVI betrat die Bühne mit einem Drummer und einem DJ, und seine Gitarre donnerte sofort los. Die ersten drei Songs wurden nahtlos nacheinander gespielt. "Raise me up" vom neuen Album fing mit klappernden Beats an, in die MIYAVIs verzerrte und hochgepitchte Gitarre hineinbrach. Der Gitarrist wirbelte herum, headbangte im Takt zu seinem Instrument und schuf mit seinen übermütigen Choreografien eine wahre Disco-Atmosphäre. Mit dem Singen ließ MIYAVI auch nicht lange auf sich warten und steuerte am Mikrofon den Text dieser Dubstep-Nummer bei.

"So on it" erzeugte mit seinen energiegeladenen, aber auch gleichmäßigen Rhythmen eine hypnotisierende Atmosphäre. MIYAVI schaukelte seinen Körper im Takt zu den elektriesierenden Klängen, und die Fans schwenkten die ausgestreckten Arme. Im Allgemeinen hatte die Nummer etwas Schamanisches und das Gitarrenspiel erinnerte mitunter an traditionelle japanische Melodien. "Cool girl" lieferte eine weitere Portion an schwingenden Gitarrenrhythmen, und bei "Dim it" konnte das Publikum eine unglaublich schöne balladenartige Passage genießen, die stark an das Instrument "singende Säge" denken ließ. Dabei klingt die Musik wie ein hohes Windpfeifen. Nach dem knapp zweiminütigen "Ganryu" folgte "Epic swing". Das Stück wurde durch Scratchsounds dominiert und weckte die Assoziationen eines Schallplattenspieler, bei dem die Nadel quer über die Platte rutscht. Ein sehr interessanter Sound, der vom springenden Publikum begeistert empfangen wurde. Nicht weniger begeistert reagierten die Fans auf die frische Version von "Mission Impossible". Der Titel wirkte wuchtiger und dynamischer als das berühmte Original.

Danach war es Zeit für den Song, den MIYAVI gemeinsam mit seiner Frau Melody komponiert hat. Melodys Stimme läutete das Lied ein und wurde ab und zu durch die ruhigeren Gitarrenpassagen untermalt. Es war eine perfekte Überleitung für die nachfolgende Ballade "Youth of the Nation" mit ihrem sehr einprägsamen Refrain.

Kontrast lieferte das gesangreiche "Firebird". Die Luft zitterte und pulsierte und die verdreifachte Stimme MIYAVIs trieb den Titel energisch voran. Ein extrem tanzbares Stück mit überwältigender Rhythmusarbeit, welche auch das darauffolgende "Afraid to be cool" auszeichnete. Nach "Cry like this" mit seinen bluesigen Noten, "The Others" und "Day 1" sprach MIYAVI viel über seine Familie. Es war jedoch nicht das einzige Mal, das er mit dem Publikum interagierte. Ab und zu im Laufe der Show streute er ein paar deutsche Worte ein, erwähnte seine schauspielerischen Erfahrungen und inspirierende Treffen.

Den Höhepunkt bildete das kraftvolle "Long Nights" mit seinen eindringlichen Lyrics. Der letzte Song des Hauptprogramms vermischte sich mit einem ausgiebigen Applaus, bevor der Musiker die Bühne verließ. Die Zugabe ließ auf sich nicht lange warten und MIYAVI kehrte schnell wieder auf die Bühne zurück, um seine Fans mit vier extra Songs zu erfreuen. "Freedom Fighters", ein auf Japanisch gesungener Titel aus den Zeiten, in denen MIYAVI noch extrem visual kei-mäßig aussah, brachte Nostalgie ein.

Als der letzte Akkord von "What's My Name" verstummte, brachen die Konzertbesucher in lauten Applaus auf, sprangen auf und beobachteten eine nicht weniger begeisterte Reaktion des Gitarristen, für den diese Show die ganze Tour abrundete und zweifellos von großer Bedeutung war.

Das Konzert war bunt, knallend und erfrischend und es war deutlich, dass MIYAVI selbst unglaublich viel Spaß hatte. Es war auch offensichtlich, dass er vor musikalischen Ideen nur so sprudelt und seine Fans nicht lange warten müssen, bis er die Saiten wieder zum Swingen bringt.


Set List

01 Raise Me Up
02 So On It
03 Cool Girl
04 Dim it
- MC -
05 Ha!
06 Ganryu
07 Epic Swing
08 Mission Impossible
- MC -
09 Where Home Is
- MC -
10 Youth of the Nation
11 Fire Bird
12 Afraid to be Cool
13 Cry Like This
14 The Others
15 Day 1
- MC -
16 Long Nights

Encore
- MC -
E1 Guard You
E2 Freedom Fighter
E3 Wonderful World
E4 What's My Name 2017
Firebird (Backrground Music)

JaME bedankt sich bei Head of PR für die Ermöglichung dieses Berichtes.
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MIYAVI 10/05

MIYAVI  
Berlin - Germany
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