ONE OK ROCK - Ambitions

review - 11.03.2017 05:00

Weg mit der Winterdepression: ONE OK ROCK erleben ihren zweiten Frühling und starten mit "Ambitions" durch.

Künstler: ONE OK ROCK
Titel: Ambitions
Typ: Album
Stil: Alternative Rock, Pop-Punk
Veröffentlichung: 11. Januar 2017
Bewertung: 9 / 10

Tracklist:
1. Ambitions – Introduction
2. Bombs Away
3. Taking Off
4. We are
5. Jaded (feat. Alex Gaskarth)
6. Hard To Love
7. Bedroom Warfare
8. American Girls
9. I was King
10. Listen
11. One Way Ticket
12. Bon Voyage
13. Start Again
14. Take What You Want (feat. 5 Seconds of Summer)

Anmerkung: Dem Review liegt die internationale Version des Albums zugrunde.

ONE OK ROCK haben sich seit ihrer Gründung 2005 einen durchaus beachtenswerten Status erspielt. Regelmäßig füllt der Vierer in seiner fernöstlichen Heimat Arena um Arena, während gleichzeitig ein Charterfolg den nächsten jagt. Was erst einmal wie die Erfüllung feuchter Musikerträume klingt, erfüllt jedoch noch lange nicht die Erwartungen, welche die Japaner weiterhin an sich selbst stellen. Vielmehr sehnen diese weiterhin dem überfälligen, internationalen Durchbruch entgegen und so präsentiert sich das Cover des neuen Longplayers bezeichnenderweise in Gelb, der Farbe der Hoffnung. Ergänzend zu den vorwiegend hoffnungsvollen und positiven Texten der Songs, stellte die Band eine Webseite online, auf welcher Fans aus aller Welt ihre eigenen Träume posten können. Selbstverständlich alles in Gelb gehalten. Und so hat sich auch der Autor des hiesigen Textes von der gelben Welle anstecken lassen und hofft, dass OOR nach dem lauwarmen "Jinsei x Boku" und dem missglückten "35xxxV" mit "Ambitions" endlich wieder ein Stück Musik gelungen ist, welches an die alten Werke anknüpfen kann.

Dass OOR auf dem Weg zur Erfüllung ihrer Träume ihren klassischen Stil über Bord werfen und weder die japanischen Lyrics, noch der prägende gitarrenlastige Einschlag im Flieger sitzen, wird sicherlich dem ein oder anderen Fan übel aufstoßen. Unter der Federführung der Produzenten John Feldmann und Colin Brittain, wobei Ersterer schon für "35xxxV" verantwortlich zeichnete, wendet sich OOR endgültig dem amerikanischen Pop-Punk zu. Dass trotz alldem allerdings kein weichgespülter Kuschelrock geboten wird, beweist der druckvolle Opener "Bombs Away". Passend zum Titel wartet der Song, welcher vom Kampf gegen die inneren Dämonen handelt, mit einem explosiven Refrain auf und setzt damit den Startpunkt für einen melodischen Hochgenuss. Denn "Ambitions" besitzt eine Hitdichte, welche in diesem Ausmaß schon lange nicht mehr auf einem OOR-Album zu finden war. Das Gros der Tracks konzentriert sich auf gewaltige, stadiontaugliche Refrains, die dem Album aufgrund ihrer schieren Größe ein druckvolles Bild verpassen und deutlich ausgearbeiteter klingen, als noch auf dem schwachbrüstigen Vorgänger.

Im Vordergrund stehen dabei fast immer Takas Goldkehle, welche häufig von Backing Vocals unterstützt wird, und die Botschaft des Albums. Das funktioniert so gut, dass der Ottonormalverbraucher mit 08/15-Leben bei Hymnen wie "We are" und "I was King" glatt den ungeliebten Job kündigen und endlich die aufgeschobene Weltreise in Angriff nehmen möchte. Doch "Ambitions" bietet noch mehr als Stadionformat a la "Mighty Long Fall" und zeigt sich oftmals unerwartet experimentell. Wie schon auf dem Vorgänger mit "Paper Planes" haben OOR auch dieses Jahr ein Electro-Rock-Stück im Gepäck. Getrieben vom elektronischen Schlagzeug wirkt das schon vorab veröffentlichte "Bedroom Warfare" aber glücklicherweise deutlich glaubwürdiger als vorher erwähntes und zählt zu den Highlights des Longplayers. So auch der klebrig-süß nach The All-American Rejects schmeckende Gute-Laune-Rocker "American Girls", den der Autor nicht besser als mit der liedeigenen Zeile „Always gets me kicking“ beschreiben könnte. Diese Experimente integrieren sich hervorragend in den sehr guten Flow des Albums und wirken wie natürliche Produkte des Songwriting-Prozesses. Selbst vermeintlich schwächere Songs wie "Taking Off" klingen im Gesamtkunstwerk deutlich aufgewertet und profitieren immens von der kompakten Atmosphäre.

"Hard to Love" hingegen hat den Zuschlag für die Rolle der obligatorischen Ballade bekommen. Gut und gefühlvoll, aber auch nicht überaus berauschend. Erwähnenswert sind neben der starken Produktion auch die zahlreich vorhandenen Kollaborationen mit verschiedenen namenhaften, amerikanischen Künstler, welche seit OORs Unterschrift bei Fueled by Ramen fast inflationäre Züge annehmen. So bekommt All-Time-Low-Sänger Alex Gaskarth die Chance im tollen "Jaded" ein paar Linien beizusteuern, sich dabei aber so gut an seine Gastgeber anpasst, dass der Rezensent ohne die beiliegende Werbebroschüre wohl kaum Notiz davon genommen hätte. Mit Avril Lavigne tummelt sich schließlich sogar ein echtes Popsternchen unter den Gästen. Allerdings nur in der japanischen Version, während der Song "Listen" in der internationalen Version von Taka alleine gesungen wird. Da der Song aber auch so schon super klingt, fällt obengenanntes Duett wohl unter die Kategorie „Unnötiger Werbeschachzug“ und kann frohen Mutes ignoriert werden.

Gastauftritte braucht "Ambitions" aber auch gar nicht, um eine Empfehlung wert zu sein. Vielmehr schaffen es OOR ein erwachsenes, kompaktes Album auf den Markt zu bringen, welches die Messlatte für zukünftige Alben des erst begonnenen Jahres hoch ansetzt. Große Melodien, songdienliches Songwriting und eine gehörige Portion Experimentierfreudigkeit gehen auf "Ambitions" Hand in Hand. Wer allerdings engstirnig an das Werk herangeht und weiter auf die guten, alten Zeiten schwört, ist besser mit den Bonus Tracks "Bon Voyage" und "Start Again" beraten. Diese präsentieren sich im bekannten Rock-Gewand, sind aber auch nicht mehr als nette Dreingaben. Für all diejenigen, welche sich mit dem neuen poppigeren Stil arrangieren können, ist "Ambitions" wohl ein Pflichtkauf, den sie sich nicht entgehen lassen sollten. ONE OK ROCK sind wieder in der Spur und haben gute Chancen mit dem neuen Album endlich den internationalen Durchbruch zu schaffen.

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