MORRIGAN - Tranquilizer

review - 05.03.2017 05:00

MORRIGAN bringen ihr Debütalbum auf den Markt und JaME hat für euch überprüft, ob der Hörgenuss auch risikofrei ist.

Künstler: MORRIGAN
Titel: Tranquilizer (トランキライザ)
Typ: Album
Stil: Visual Kei
Veröffentlichung: 30.11.2016
Bewertung: 7/10

Tracklist:
1. UNDER WORLD END 'XISS
2. Tranquilizer (トランキライザ)
3. SELFISH RUSSIAN
4. Kaleidoscope.
5. KILLING MYSELF
6. Euthanasia
7. NECRO
8. Everlasting
9. ASPIRIN
10. PARADIGM XISS
11. BRAIN PINK.AD
12. Kao no nawiseibo (顔の亡ヰ聖母)
13. Devil parade
14. Underworld.
15. EDEN


119 Auftritte alleine im Jahr 2016. Dazu drei Single-Veröffentlichungen, eine EP sowie unzählige Instore-Events in Plattenläden in ganz Japan. Das Quartett MORRIGAN scheint aus vier hauptberuflichen Workaholics zu bestehen. Kindern mit einem so hohen Aktivitätsdrang würde wohl ohne Umschweife ein Beruhigungsmittel zur Vorbeugung einer Hyperaktivitätsstörung verschrieben werden. MORRIGAN bastelten sich lieber selber eins und veröffentlichten am letzten Tag des elften Monats noch geschwind ihr erstes vollwertiges Album namens "Tranquilizer". Als hätten wir nicht schon genug MORRIGAN dieses Jahr gehabt. Doch kann man "Tranquilizer" jetzt wirklich als Debütalbum bezeichnen oder hat man es bei der nur drei neue Songs beinhaltenden CD doch eher mit einem Best-Of-Album zu tun?

Nun ja, auch das Album selbst scheint hierauf keine Antwort zu wissen, wirkt zerstückelt und zusammenhangslos. Kein einziges Mal hat man während dem gut eine Stunde andauernden Geriffe das Gefühl, dass beim Zusammenstellen der Tracklist mehr als fünf Minuten nachgedacht worden wäre. Der vielzitierte Flow? Nicht anwesend. Vielmehr scheint man die Wiedergabeliste auf zufällig geschaltet und das Ergebnis kurzerhand auf CD gepresst zu haben. Immerhin hat man die wirklich gelungene Ballade "EDEN" als letztes Lied gewählt, was zwar klischeehaft sein mag, aber für einen schönen Abschluss sorgt. Heißt das, dass "Tranquilizer" ein schlechtes Album wäre? Keineswegs! Im Gegenteil, "Tranquilizer" strotzt nur so vor guten Songs und zeichnet ein wunderbares Bild des momentanen Entwicklungsstandes MORRIGANs.

Startend mit dem bedrohlich-düsteren "UNDER WORLD END 'XISS", welches alle Trademarks der Band in sich vereint, machen MORRIGAN durchgängig das, was sie nun einmal am Besten können: Rocken was das Zeug hält. Kompromisslos haben MORRIGAN all das Hitmaterial der letzten eineinhalb Jahre mit ins Boot geholt, sodass sich „Evergreens“, wie das mit einem grandiosen Refrain ausgestattete "Underworld." oder Klassiker "Everlasting", die Plattenrillen mit unbekannteren Perlen wie dem düster-bewegenden "Euthanasia" teilen. Und auch die live-limitierten "NECRO" und "KILLING MYSELF" wurden endlich einem breiteren Publikum zugänglich gemacht, wobei vor allem ersteres zu gefallen weiß. Unnötig zu erwähnen, dass mit "SELFISH RUSSIAN", "Devil parade" und "BRAIN PINK.AD" auch eine Auswahl an MORRIGANs berühmt-berüchtigten Live-Songs zu hören ist, was dann aber doch mehr schlecht denn recht funktionieren mag.

Mögen diese live die Stimmung entzünden wie Zunder, präsentieren sich insbesondere letztere zwei auf CD als langweilig und uninspiriert. Warum dafür tolle Kompositionen wie "Inside decay", "BLACK ALICE" oder "Betrayal:Cocytus", welches der Autor zu den besten VK-Songs aller Zeiten zählt, den Cut nicht geschafft haben, ist ebenso fraglich wie die Tatsache, dass MORRIGAN keinen der Songs neu aufgenommen geschweige denn remastered haben. Das wird einem aufgrund des Best-Of-Charakters des Albums quasi per Neon-Reklame vor Augen geführt. Teils schwankt die Soundqualität zwischen den Songs extrem, was sich vor allem zu Beginn des Erstlings bemerkbar macht. Während "SELFISH RUSSIAN" genauso breiig wie zu Zeiten der Erstveröffentlichung aus den Boxen tönt, klingt der frisch aufgenommene Titeltrack tatsächlich annehmbar. Kann man, bei dem was man sonst von MORRIGAN gewohnt ist, durchaus einmal erwähnen.

Womit wir auch schon bei den, in magerer Anzahl vorhandenen, neuen Songs angelangt wären. Mit "Tranquilizer" zeigen sich MORRIGAN ausnahmsweise einmal von ihrer etwas weicheren Seite, wobei der Track mit seinen klaren Gitarrenmelodien ein wahres Highlight des Albums darstellt. Anders dagegen "ASPIRIN", welches zwar einige interessante Momente bietet, unterm Strich aber zu wenig Wucht mitbringt, um über den Status eines Füllers hinweg zu kommen. Mit "Kao no nawiseibo" hat man schließlich noch einen orientalisch angehauchten Rocker in petto, der live für viel Spaß sorgen dürfte. Nur die elektronische Verzerrung des Refrains hätte nicht sein müssen. Ohne diese hätte der Song wahrscheinlich auch auf CD richtig Eindruck schinden können.

Fazit: Was ist "Tranquilizer" nun also? Nun ja, vor allem kein Beruhigungsmittel, trotz des vielleicht irreführenden Titels. Definitiv ist es aber eine tolle Zusammenstellung an Songs geworden, durch welche diese endlich auch einem breiteren Publikum zugänglich gemacht werden. Wer also von einer konsequenten Gazerock-Weiterentwicklung mit inflationär eingesetzten Harsh-Vocal-Passagen nicht abgeschreckt wird, darf bei "Tranquilizer" bedenkenlos zu greifen! Und wer sich nicht noch nicht ganz sicher ist, kann einfach mal in das angehängte "Underworld." reinhören. Stay heavy!

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