YAMATO - The Drummers of Japan Bakuon World Tour 2015

konzertbericht - 09.08.2015 06:00

Die Taiko-Trommler rissen das Berliner Premierenpublikum in einer furiosen Show mit.

Anfang diesen Jahres starteten die Musiker des Ensembles YAMATO - The Drummers of Japan in Japan mit dem neuen Programm Bakuon - Legend of the Heartbeat. Im April ging es für die Taiko-Trommler in ihrem 21. Jahr seit der Gründung damit dann auch nach Europa. Sie spielten in Großbritannien, den Niederlanden und Belgien. Seit Juni sind die Trommler auch in Deutschland und Österreich auf Tour. JaME besuchte gemeinsam mit einem bunt gemischten Publikum ihre Premiere in der Neobarocken Komischen Oper in Berlin am 14. Juli 2015.

Bereits das Bühnenbild zog in den Bann. Neben den bereits aufgebauten Taiko-Trommeln - Shime-Daiko, Miya-Daiko, Okedo-Daiko und der großen Odaiko - bestach vor allem die Hintergrundkulisse. Neben einem gewaltigen Bühnenbild, das das Logo YAMATOs und zahllose Kirschblütenblätter zeigte, überraschte besonders der künstliche Kirschbaum im hinteren Teil der Bühne. Als dann die Beleuchtung im Saal erlosch und eine Stimme aus dem Lautsprecher das Publikum willkommen hieß, waberte längst zäher Nebel über die Bühne. Anschließend lüfteten sich die versetzt platzierten, halb durchscheinenden, gardinenartigen Vorhänge Stück für Stück und machten den Blick auf die ersten Taiko-Trommler YAMATOs frei.

Die Spieler der Shime-, Miya- und Okedo-Daiko und Higashi Saori, die ihrer Shinobue (einer Bambusflöte) die ersten zarten Klänge entlockte, eröffneten den Abend mit dem Titel "Habataki". Nur wenig später fielen die Herren gesanglich in die Melodie der Shinobue mit ein, auch wenn der Gesang eher an den der amerikanischen Ureinwohner erinnerte. Danach wechselten sich die immer dramatischer werdenden gesanglichen Parts mit harten, starken Trommelpassagen ab. Das Tempo variierte beständig. Auch die Choreografie, besonders im letzten Drittel des Liedes, wurde zusehends theatralischer. Die vier vorne spielenden Trommler, Fukuda Hisato, Kato Jun, Futaki Masaya und Matsumoto Haruki schwangen und hielten ihre Trommelstöcke teilweise wie zur Verteidigung, während sie ihre Okedo-Daiko durch Schultergurte umhertrugen und -wirbelten. Unterdessen gaben die vier Frauen, sowie Imai Subaru und Ono Kenta im Hintergrund weiter den Rhythmus vor. Für das Finale hoben Futaki und Kato die mittelgroße Okedo-Daiko-Trommel an und ließen diese von Imai weiter schlagen - zum Ende hin wurde die Trommel sogar noch gefährlich in dessen Richtung geneigt.

Bereits während des tosenden Applauses senkte sich im Hintergrund ein riesiges Tour-Banner wie ein Vorhang herab und verdeckte die komplette Bühne. Unterdessen nahmen für "Sen-nari" die Mitglieder YAMATOs nach und nach mit ihren kleinen Shime-Daiko auf dem Boden vor dem Banner Platz. Jedes Mitglied, das hinzukam - sie kamen immer paarweise auf die Bühne - wurde nach den ersten Trommelschlägen mit jeweils einem eigenen Lichtstrahl ausgeleuchtet - zuvor herrschte nahezu Finsternis. Zu sehen gab es bei diesem Titel eine beeindruckende Performance, bei der man die gesamte Klang-Bandbreite der Shime-Daiko und ein atemberaubendes Tempo erleben konnte. Im späteren Verlauf hob sich auch das Banner wieder, auch wenn die Bühne hinter den acht Musikern noch immer durch die durchscheinenden Vorhänge verhüllt war. Man sah allerdings bereits, dass man in der Zwischenzeit nicht untätig gewesen war und die Bühne ein wenig umgebaut hatte.

Das Lied der Seele, "Tamashy", wurde durch diverse Klänge aus der Natur - wie beispielsweise Vogelzwitschern - eröffnet. Bei diesem Track kam auch der Odaiko eine tragendere Rolle zu. Higashi Saori und Ogawa Akiko, mit jeweils einem Glöckchen in der Hand, untermalten das anfangs meditative Stück zudem mit gefühlvollem Gesang, dessen Lyrics in japanischer Sprache an die Bühnenwand projiziert wurden. Später fielen auch die Männer, mit einem sich beständig wiederholendem "Toko tom", ein. Nach dem Verklingen des ersten Abschnitts wurde es wieder lauter und das Tempo zog deutlich an, da die Shime-Daikos mit ins Spiel kamen - allerdings wurden auch die Odaiko-Trommeln weiter geschlagen.

Wer bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht von der schier unerschöpflichen Energie der sechs Männer und vier Frauen überzeugt werden konnte, war es spätestens nach der mitreißenden Performance des sich anschließenden "Ittetsu -Sakura fubuki". Für die Darbietung wurden die schweren Odaiko-Trommeln sehr nah an den Rand des metallischen Bühnenaufbaus gebracht. Die Schlagfläche zeigte zum Publikum. Anschließend und überaus überraschend nahmen die Männer direkt vor den Trommeln platz, mit dem Rücken zum Zuschauerraum. Man hatte fast den Eindruck, als würden sie sich unter diesen einklemmen. Um die Stimmung ein wenig aufzulockern, reckten sie lautstark ihre Glieder, ließen sich kurz nach hinten fallen - auch wenn da gar nichts war - und kamen wieder nach oben. Zudem fielen sanft dutzende Kirschblütenblätter von der Decke herab. Den schnellen Grundrhythmus legten hingegen wieder die hellen, kleinen Shime-Daiko-Trommeln vor, in die die Odaiko-Trommeln mit einfielen.

Nach einer Pause und einem erneut veränderten Bühnenaufbau setzten YAMATO das Programm mit "Gokujyoh" fort. Hier trafen energetische und teils melancholische Shamisen-Akkorde auf den sanften Klang der Shinobue und der starken Trommeln. Untermalt wurde das Ganze noch zusätzlich durch expressiven Gesang. Optisch fielen vor allem die im Dunkeln rot leuchtenden, langen Trommelstöcke der Männer und zwei große entzündete asiatische Laternen auf. Anfangs trommelte Kato auf der Bühne mit seiner Okedo-Daiko noch ganz allein, doch schon bald folgten ihm die anderen und es gab atemberaubende und feurige Szenen in "Rakuda" zu sehen. Zudem ließ hier die Odaiko (für deren Schlagen ein Knüppel, ähnlich einem Baseballschläger hervorgeholt wurde) mit ihrem tiefen, vollen Klang den Boden ganz besonders erzittern. Des Weiteren lernte das Publikum mit diesem Stück auch die Chappa (eine bronzene Zimbel) kennen. In einem kurzen Moment der Stille und Spannung, als der Großteil der Musiker vorne, nahe dem Publikum, auf der Bühne stand, brach Ono diese mit einem völlig unerwarteten, fröhlichem "Hallo!" mit entsprechender Geste. Dies und die Empörung der anderen YAMATO-Mitglieder mag zwar einstudiert gewesen sein, aber es lockerte die Stimmung doch merklich auf. Und am Ende wurden die Musiker mit stürmischem Applaus belohnt.

War die kleine Chappa im vorherigen Stück doch etwas im Hintergrund gewesen, so bekam sie in "Garakuta" ihren ganz großen Auftritt. Die lustige und einfallsreiche Performance bei der Imai, Matsumoto und Higashi Saori sich gegenseitig herausforderten und oft auch so taten als würden sie Mithilfe der Chappa etwas werfen oder fangen, entlockte dem Publikum nicht nur einmal ein paar herzhafte Lacher. Die große Trommel und zwei Kotos läuteten das große Finale von Bakuon - Legend of the Heartbeat mit dem gleichnamigen "Bakuon" ein. Nach und nach gesellten sich die unterschiedlichen Taikos dem des Klang-Ensemble hinzu. Mit diesem Stück bewiesen die Trommler und Trommlerinnen nicht nur, dass sie mitreißende Rhythmen hervorbringen können, sondern auch, dass sie vor positiver Energie nur so strotzen. Der tosende Beifall inklusive teilweiser Standing-Ovations war daher keine wirkliche Überraschung. Eine tiefe Verbeugung und strahlende Gesichter zeigten auch den Zuschauern, dass YAMATO die Premiere von Bakuon - Legend of the Heartbeat in Berlin in vollen Zügen genossen haben.

Zwar schallten keine "Encore-Rufe" durch die Komische Oper, aber der lang anhaltende Applaus hatte offenbar eine ähnliche Wirkung auf die zehn Musiker YAMATOs, denn nur wenig später stimmten diese eine interaktive Zugabe an. Ohne viel Ermutigung klatschte die Menge begeistert im Takt der Trommeln mit. Das klappte offenbar so gut, dass Imai und Ono kurzerhand das Zepter in die Hand nahmen und etwas vorklatschten, das die Menge wiederholen sollte. Anfangs noch recht einfach, nahm der Schwierigkeitsgrad beständig zu. Der Freude, dem Spaß und der guten Stimmung tat dies hingegen keinen Abbruch. Im Gegenteil, alle genossen diese letzten Minuten.


Die insgesamt anderthalb Stunden waren wie im Flug vergangen. YAMATO - The Drummers of Japan präsentierten sich dramatisch, mitreißend und lustig. Die Effekte in der Beleuchtung, die Performance an sich und das Programm konnten sich mehr als nur hören und sehen lassen. Ganz besonders taten sich die jungen Leute hervor, denen man ihre Spielfreude ganz deutlich anmerkte. JaME freut sich bereits schon jetzt auf den nächsten Besuch der Taiko-Trommler in Europa.


Setlist:
01. Habataki (Flügelschlag)
02. Sen-nari (Tausendklang)
03. Tamashy (Seele)
04. Ittetsu -Sakura fubuki (Der konzentrierte Geist)
Pause
05. Gokujyoh (Das Beste)
06. Rakuda (Glückliches Trommeln)
07. Garakuta (Spielereien aus Müll)
08. Bakuon (Der größte Klang)


JaME bedankt sich recht herzlich bei YAMATO - The Drummers of Japan, BB Promotion und Grabner|Beeck Kommunikation GbR.
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