Heartsdales - Radioactive
Review zum ersten Album des J-Urban Duos Heartsdales.
Titel: Radioactive
Typ: Album
Stil: Hip-Hop, J-Pop, R&B
Veröffentlichung: 20.03.2002
Wertung: 6/10
Tracklist:
01 Lights Out (Intro)
02 WILD
03 So Tell Me
04 Ow!
05 The Question Remains (Interlude)
06 That's Why
07 Girls Don't Cry
08 Baby Shine
09 Dangerous (Interlude)
10 Radioactive
11 Helpless Game feat. Nakashima Mika
12 E.S.P.
13 All Mine
14 FLY!
Am 20.03.2002, etwa drei Monate nachdem die Heartsdales ihre erste Single ("So Tell me") auf den Markt gebracht hatten, erschien das erste Album des mittlerweile getrennten J-Urban Duos. Das Album erreichte in den Oricon Charts den meiner Meinung nach angemessenen Platz 16 und lenkte das Interesse der Öffentlichkeit auf die Schwestern.
Nach dem kurzen Intro ("Lights Out") folgt direkt "WILD", wobei dieser Track nicht ganz so wild ist wie man vermutlich ahnt, aber das kann man den Ladies nachsehen, im Text heißt es immerhin dass es wild werden soll (.. und nicht, dass es bereits wild zugeht), was später auf dem Album auch zutrifft. Aber mal der Reihe nach: "WILD" ist ein netter Song mit den typischen Heartsdales-Markenzeichen, der Zuhörer kann sich also über die damals noch harten Lyrics (Und da sage noch mal jemand, Emanzipation wäre den Japanern fremd..) und toughe Raps freuen, das Lied hat allerdings kein wirkliches Highlight (Nicht mal Verbals (m-flo) Rap ist sonderlich mitreißend), eignet sich gut als seichter Einstieg für das Album, kann aber getrost zu den weniger nennenswerten Songs der Schwestern gezählt werden.
Definitiv spannender ist "So Tell Me". Bei diesem Lied wird wohl so manch ein Heartsdales-Fan nostalgisch, immerhin war das Stück 2001 die erste Single des Duos. Wer "So Tell Me" heute hört fragt sich vermutlich, wie die Gruppe es schaffte, innerhalb ihrer Karriere zum Kitsch-Duo zu werden und vorwiegend Popmusik zu machen (Na gut, der Refrain lässt es erahnen), ist "So Tell Me" doch noch sehr anders als die späteren Veröffentlichungen. Das Lied überzeugt durch eingängige Beats (Synthesizer und andere musikalische Effekte sind hierbei eher im Hintergrund, die Melodie kommt erst gegen Ende des Liedes durch) und Raps die geradeheraus sind, man könnte fast meinen, die Schwestern kämen direkt aus dem Ghetto. Der harmonische Refrain - wie üblich gesungen von Rum - lockert das Ganze etwas auf und verleiht dem Lied deutliche J-Pop Einflüsse, während der Rest des Tracks vor allem durch seine treibenden Beats eher an den Hip-Hop der 90er Jahre erinnert. Auch Verbal kann man wieder hören, später produzierte er die Alben zwar noch, hielt sich aber eher im Hintergrund, auf "Radioactive" hingegen war er auch in den Liedern öfters zu hören.
Nach dem nicht wirklich erwähnenswerten "Ow!" und einem von einer heliumartigen Stimme gesprochenen Interlude "The Question Remains" startet "That's Why", die zweite Single-Veröffentlichung des Albums. Das Lied bietet einen starken Kontrast zu den anderen eher harten Liedern, so beginnt es direkt mit einer poppigen Melodie die Strandfeeling verursacht, die Raps sind sanfter und schnell wird klar: Hierbei handelt es sich ausnahmsweise nicht um eine Kampfansage im Heartsdales-Stil, sondern um ein Eins A Liebeslied mit Sommerfeeling. Das Ganze steigert sich zwar im Verlauf des Liedes immer mehr in Richtung Kitsch, der ist hierbei aber durchaus erträglich und durch die Synthesizereffekte die nach Geigen klingen hat das Lied sogar ein wenig die Atmosphäre eines Hollywood-Liebesfilmes.. Eingängige Hooklines und diverse Soundspielereien (unter anderem mit Akustikgitarren) zeichnen das Lied aus, Rums Stimme, die in den späteren Liedern meist sehr bearbeitet wurde, klingt hier angenehm klar und somit hinterlässt das Lied zumindest mich stets mit einem angenehmen Gefühl.
"Girls Don't Cry" ist auch nach mehreren Jahren nach wie vor eines der besten Lieder des Duos. Schon das Intro vermittelt ein einzigartiges Gefühl, welches man von den meist trivialen Songs aus diesem Genre nicht unbedingt erwarten würde. Klingt nach Hoffnung nach dem Fall (symbolisiert durch eine Art Tusch am Anfang und dem folgenden "da da da da"-Chor) und macht irgendwie Mut, das Ganze mit einem Augenzwinkern, begleitet von trompetenartigem Sound und gespickt mit einigen Lebensweisheiten ("B-boy's don't cry When the ladies lie", "B-gals don't cry
because of shady guys", "Everybody knows love comes and goes""). Die seichten Raps übernehmen diesmal neben den Schwestern und - Überraschung! - Verbal auch der sehr entspannte Crazy-A, im Refrain hört man dann abwechselnd alle Vier (singend!), im Vordergrund die frech klingende Stimmen der beiden Schwestern - das Gefühl des Zusammenhalts ist hier noch prägnanter.
Der Partysong "Baby Shine" ("It's ladies night!") mit der grandiosen AI ist nach dieser Hymne eine willkommene Abwechslung, klingt aber im später auf "Sugar Shine" erschienenen Deckstream-Remix wesentlich besser und mitreißender. Nach einem weiteren Interlude lässt die ausgelassene Stimmung nicht nach, "Radioactive" ist eine gelungene Mischung zwischen Wahnsinn und Genie, inklusive seltsamer Laute von Verbal (Besonders auffallend das seltsame 'Kichern' am Anfang). Der Song trägt zwar den gleichen Namen wie das Album, ist auf dieser CD aber eine Ausnahme und sicherlich nicht repräsentativ, weder für das Album noch für die Schwestern. Egal, der Song rockt, und das im wahrsten Sinne des Wortes: Schnelle, schlagzeugartige Beats, E-Gitarren und unterhaltsame Raps, im Refrain dann ein Frauenchor der fast schon an ein Kinderlied erinnert. Bleibt nur noch eine Stelle aus dem Text zu erwähnen: "Why don't y'all come and join the fun!"
Bei "Helpless Game" geht es dann etwas ruhiger zu, nach dem von einem mir unbekannten Mann gesungenen Intro startet Jewels recht melancholischer Rap, im Refrain verleiht Nakashima Mika dem Lied mit ihrer wunderbaren Stimme wirklich Klasse. In manchen Liedern stört Rums sehr nach Plastikpop klingender Gesang, in diesem Lied singt allerdings nur Mika, wodurch das Ganze sehr authentisch klingt. In den Strophen hört man meistens nur die Beats und den ruhigen Bass, der Refrain hingegen birgt eine mitreißende Melodie und in der Mitte des Liedes ist wieder einmal Verbal am Start, begleitet von einer Human Beatbox, was die Stimmung etwas lockert. Danach geht es nachdenklich weiter ("But I'm fallin, fallin' too deep.. L-O-V-E with you"), dann entlässt einen der Sänger vom Anfang auf harmonische Art und Weise und das Lied bleibt definitiv im Kopf.
"E.S.P" bietet danach den ultimativen Kontrast: Da sind sie wieder, die beiden toughen Schwestern vom Anfang, begleitet von ein paar Label-Kollegen. Wie der Titel schon erahnen lässt, ist "E.S.P" eine Hymne an das Label espionage (records), und die hat es wirklich in sich. Für "E.S.P" gilt eigentlich das Gleiche wie für das später erschienene "Block Shot Hustlaz": Man sollte das Ganze lieber nicht so ernst nehmen (obgleich die Schwestern das damals vermutlich taten), der Text ist nämlich teilweise etwas grenzwertig, musikalisch hat der Uptempo-Track allerdings einiges zu bieten. Jewels Rap macht direkt klar, worum es geht: "When I say jump you say How high?" - die alte Leier also, die Heartsdales sind zwei ganz Harte und alle Kerle tanzen nach ihrer Pfeife, okay, verstanden. Schüsse im Hintergrund und ein paar weitere eindrucksvolle Verse weisen dann dezent darauf hin, dass man auch mit der gesamten espionage-Crew nicht scherzen sollte. Goichis zweite Strophe zeugt auf eindrucksvolle Weise von dessen Talent, dass er sich selbst als Lyrical Miracle bezeichnet ist definitiv berechtigt. Das Lied hat - untypisch für die Songs der Heartsdales - keine J-Pop Einflüsse, sondern klingt sehr amerikanisch, Gangster-Rap trifft es ganz gut, Goichis Stimme verstärkt diesen Einfluss Wüsste ich nicht dass er Japaner ist, würde ich ihn ohne zu Zögern für einen Amerikaner halten, ganz im Gegensatz zu COYASS, der dem Lied einen amüsanten Touch gibt. COYASS ist ein kleiner, korpulenter (Eine wahrhaft nette Umschreibung) Rapper, der in Clips gerne mal mit zwei Hühnerkeulen in der Hand auftritt und dessen Stimme schier unbeschreiblich ist, sein Rap ist eher heliumartiges Geschrei und ist so unpassend in diesem Song, dass es schon fast wieder passt, auch wenn der Hörer danach vermutlich erstmal traumatisiert ist.
Nach dem letzten gequälten Schrei von COYASS kommt "All Mine" wesentlich ruhiger daher und ist eine gelungene Abwechslung. Das Lied ist auf angenehme Art und Weise sehr vom R&B geprägt, die soulige Stimme im Refrain, die auch melodisch die Strophen untermalt, verstärkt diesen Eindruck, die Stimme klingt allerdings so reif und tief, dass ich mir nicht sicher bin, ob da tatsächlich eine der Schwestern singt. Meiner Meinung nach wäre "All Mine" der perfekte Song für ein stimmiges Ende des Albums gewesen, das letzte Lied ist allerdings "Fly", welches mit stimmigem Herzklopfen eher ruhig beginnt, dann aber recht bald zu schnellen, etwas unkoordinierten Beats gemischt mit Rums Rap (permanent begleitet von Verbal) wechselt. Das Lied erschließt sich einem sicherlich nicht beim ersten Hören, weil es dafür - im Gegensatz zu den meisten anderen Songs der Schwestern - wenig eingängig und etwas zu chaotisch ist. Der Refrain ist trotz des Frauenchors nicht direkt als Refrain erkennbar, sondern klingt eher wie eine Bridge, was den Eindruck dass das Lied eher unausgereift ist sehr verstärkt. Nach zwei Minuten gibt es dann einen überflüssigen Umbruch, der das Ganze noch verwirrender gestaltet, hierbei gerät die eigentliche Melodie völlig in Vergessenheit und begleitet von Beats gibt es ein paar motivierende Sprüche ("Do you wanna hear it?" "Yeaaah!") seitens der Schwestern auf die Ohren, bis der vermeintliche Refrain wieder einsetzt, der sich dem Hörer nach diesem eigentümlichen Intermezzo wesentlich besser erschließt. Trotzdem ist das Lied eher durchschnittlich und hinterlässt den Hörer etwas unbefriedigt, was nach den zahlreichen gelungenen Stücken auf der CD wirklich nicht hätte sein müssen.
"Radioactive" ist sicherlich kein Meisterwerk, allerdings für ein erstes Album durchaus gelungen. Die Einflüsse vom damaligen Produzenten Verbal sind sehr prägnant, was teilweise gut ist, teilweise aber auch schade, weil man manchmal das Gefühl hat, dass Jewel und Rum sich nicht richtig entfalten konnten. Die CD enthält mehrere eher schwache Tracks und ist deshalb - mit einigen Ausnahmen - eher für Fans interessant, die Vielfalt der Musik der Schwestern und ihre Eigenständigkeit ist auf anderen Veröffentlichungen deutlicher hörbar.











