Interview mit Kajiura Yuki auf der Anime Expo 2018

interview - 10.11.2018 05:00

Die legendäre Komponistin Kajiura Yuki spricht über den kreativen Prozess zu ihren bekannten Anime-Soundtracks, künftigen Projekten und vielem mehr.

Neben dem Trubel der Anime Expo 2018 setzte sich die legendäre und geliebte Komponistin Kajiura Yuki mit JaME nieder und diskutierte über den kreativen Prozess zu ihren bekannten Anime-Soundtracks, zukünftigen Projekten und warum sie nie einen Favoriten aus ihrer Diskografie herauspicken könnte.


Um zu beginnen, bitte erkläre uns, warum du dich dazu entschieden hast den Soundtrack zu Fate/stay night [Heaven's Feel] zu einem sehr traditionellen, orchestralen Werk zu machen.

Kajiura Yuki: Das Stück selbst hat eine sehr schwere Atmosphäre, aber es gibt tatsächlich nur sehr wenig Musik im Film. In der ersten Hälfte gibt es fast gar keine Musik. Um jeden Track schwerer zu machen, habe ich mich für überlagernde Streicher entschieden. So dass jedes Lied eine eigene Präsenz im Soundtrack besitzt.

Welche Gedanken und Gefühle hattest du, als du die Erinnerungs-thematischen Songs für den Sword Art Online -Ordinal Scale- Soundtrack geschrieben hast?

Kajiura Yuki: Es ist eine sehr komplexe Geschichte. Sie hat so viele Teile, dass ich es nicht wirklich eingrenzen kann, aber der Schlüsselpunkt ist dieses Mädchen, Yuna, die Sängerin. Ihre Lieder sind der Schlüssel zu dem Stück. Diese Lieder zu schreiben war sehr schwierig, da alle Soundtracks zu den zentralen Punkten wurden. Sie hat zwei Seiten: Ihre Vergangenheit ist wirklich bitter aber dennoch hat sie Träume. Die Lieder wurden geschrieben, um diese Idee einzufangen, diese ganze Trennung zwischen hell und dunkel.

Bitte beschreib den Schaffensprozess zu "Everytime You Kissed Me" und erkläre uns, warum du Emily Bindiger als Hauptsängerin gewählt hast.

Kajiura Yuki: Im originalen Stück gab es eigentlich nur eine Melodie und kein Lied. Zuerst war das Hauptthema des Liedes nur eine Spieluhrenmelodie und ab da wurde es zu einem Lied. Schließlich wurde es eine Paarmelodie und ich mochte Emily bereits als Sängerin. Ihre Stimme ist heiser, rein aber doch reif, und ich dachte, dass sie zum Klang des Klaviers passt. Dieses Lied wurde eigentlich für eine Spieluhr gemacht und wird die gesamte Show hindurch gespielt. Die kreative/ produktive Seite bat mich dies in ein Lied umzuwandeln und so ist es dazu gekommen.

Warum arbeitest du lieber mit Sängerinnen?

Kajiura Yuki: Ich mag sie einfach! (lacht) Ich denke, das rührt teilweise daher, dass ich seit meiner Kindergartenzeit viel in einem Chor gesungen habe. Es ist leichter sich vorzustellen wie die Arbeit am Ende aussehen wird. Außerdem kannst du mit weiblichen Stimmen viele verschiedene Dinge ausprobieren.

Was glaubst du, warum hält deine Partnerschaft mit Korenaga Koichi und Kaida Yuriko schon so lange an?

Kajiura Yuki: Vor allem sind beide ziemlich erstaunliche Musiker; sie sind großartig.
Korenaga Koichi ist ein Gitarrist voller Ideen und er besitzt eine erstaunliche Vielfalt bei seinen Vorschlägen, da er sich mit sehr vielen unterschiedlichen Genres auskennt. Ich habe da das Gefühl, dass er meine Ideen erweitert und er lehrt mich viel über musikalisches Timing. Es macht wirklich Spaß mit ihm zu arbeiten und deshalb liebe ich es.

Im Fall von Kaida Yuriko, so hat sie für eine Japanerin eine einzigartige Stimme. Es ist nicht die typische japanische Stimme. Und es klingt wundervoll, wenn ihre Stimme im Refrain und von der Begleitung überlagert wird. Es klingt weicher und lieblicher, und das ist für eine japanische Sängerin sehr interessant. Sie ist auch sehr gut darin die Lieder auf wundervolle Art und Weise zum Leben zu erwecken. Ich hoffe sehr, dass ich auch in Zukunft noch lange mit ihr arbeiten werde.

Bitte beschreibe uns deinen Kompositionsprozess für die Kampflieder. Gibt es irgendwelche bestimmten Gefühle, die dann auftauchen, wenn du Kampfthemen komponierst?

Kajiura Yuki: Um ehrlich zu sein verändert sich mein Gefühl nicht wirklich, aber es hängt sehr viel vom Kampf ab. Es ist anders wenn sie die Kämpfe gewinnen oder verlieren und selbst wenn sie gewinnen, ist es dann jemand der wirklich kämpfen wollte? In den Kampfthemen ist das Tempo wirklich wichtig, da ist es schwer es richtig zu treffen. Wenn es zu schnell ist, kannst du die Geschichte dahinter beschädigen, sie sind also wirklich schwer zu schreiben. Ich muss mir wirklich Gedanken darüber machen was gebraucht wird und erarbeite diese überwiegend durch Ausprobieren.

Welches Lied oder welchen Soundtrack von dir magst du am liebsten oder hat bei dir den größten Eindruck hinterlassen? Und kannst du uns bitte noch sagen, was du daran besonders magst oder wirkungsvoll findest?

Kajiura Yuki: Es fällt mir schwer, darüber nachzudenken, welche ich mag. Es ist schwer dies subjektiv zu beurteilen. Ich habe kein Lieblingslied, aber es gibt ein paar Lieder die bekannter sind als andere, oder einfacher zu spielen, oder eine bessere Atmosphäre auf Live-Konzerten besitzen. Ich kann wirklich nicht nur ein Lied auswählen.

Mit welchen Genres oder Musikstilen würdest du gerne experimentieren?

Kajiura Yuki: Wenn ich Musik komponiere, mache ich mir nicht wirklich Gedanken über Genre oder Musikstile. Die Leute, die Musik machen, machen sich über derlei Dinge keine Gedanken, oder was nötig ist um ein Stück passend für ein bestimmtes Genre zu machen. Ich denke, dass die Stile und Genres erst nach der Entstehung der Lieder folgen. Es gibt da kein bestimmtes Genre, das ich gerne einmal ausprobieren möchte. Vielmehr gibt es nur Genres die Möglichkeiten sind oder etwas, von dem ich denke, dass ich es schreiben könnte, oder etwas dass für mich cool klingt. Es geht also nicht so sehr darum ein Genre auszuprobieren, als offen für alle Genres zu sein.

Werden wir in Zukunft wieder von FictionJunction hören?

Kajiura Yuki: Grundsätzlich ist es meine eigene Einheit, so dass ich einfach und frei mit tollen Künstlern zusammenarbeiten kann. Solange ich in dieser Welt bin, kann ich auch in Zukunft mit den Aktivitäten von FictionJunction fortfahren.

Was kannst du uns über deine künftigen Pläne erzählen? Gibt es ein drittes Soloalbum am Horizont?

Kajiura Yuki: Alle meine Pläne sind bereits entschieden und wurden bekannt gegeben. Ich werde an dem Soundtrack zum zweiten Film der Fate-Serie arbeiten. Was das Soloalbum angeht, so sagen viele Leute: "Hey, wann wirst du das machen?" Ich bin wirklich beschäftigt und habe im Moment keine Zeit dafür, aber wenn ich die Zeit dafür habe, würde ich gerne eines machen.

Um das Interview zu einem Abschluss zu bringen, könntest du bitte noch eine Botschaft für die JaME-Leser hinterlassen?

Kajiura Yuki: Die japanische Animation hat eine wirklich große Reichweite und wird auf der ganzen Welt akzeptiert. Das ist etwas, das ich wirklich beobachten kann. Es ist Teil meiner Arbeit, also ist es wirklich interessant zu sehen. Außerdem bin ich wirklich glücklich, dass unsere Kultur und Musik von so vielen Menschen in aller Welt geliebt wird. Es ist erstaunlich, dass dieses Gefühl sich sogar auf die Musik ausdehnt. Auch wenn es nur kurz ist, so würde ich gerne eine Show hier in Los Angeles machen und würde mich darüber freuen diese Reise fortsetzen zu können. Ich wäre wirklich glücklich, wenn sich die Menschen an Anime und Musik gemeinsam erfreuen könnten.


JaME möchte sich bei Kajiura Yuki, Resonance Media und dem Team von Anisong World Matsuri für diese Interviewgelegenheit bedanken.

Links
FictionJunction Website: http://www.fictionjunction.com
Kajiura Yuki Twitter: https://twitter.com/Fion0806
Anisong World Matsuri Facebook: https://www.facebook.com/AnisongWorldMatsuri/
Anisong World Matsuri Twitter: https://twitter.com/AnisongWorld
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